Bauhaus-Universität Weimar

Das Häfsliche. 
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Macht erblickt und sich darum scheu in sich selbst zurück¬ 
zieht. 
Für eine solche Verwendung des Häfslichen werden be¬ 
greiflicher Weise die Poesie und die Malerei am geeignetsten 
sein, weil sie die meisten Mittel zur Darstellung eines eigen¬ 
artigen Seelenlebens besitzen. Besonders die Malerei bietet 
hierfür unzählige Beispiele. So steht dem schönen Christus- 
*ypus der häfsliche mindestens ebenbürtig gegenüber. Der 
Geist, dessen Reich nicht von dieser Welt ist, pafst nicht 
recht in den weltlichen Formen- und Farbenjubel einer 
schönen Gestalt. Auch die Mutterliebe kommt oft durch 
das Häfsliche vollkommener zum Ausdruck als durch das 
Schöne. Die schöne Mutter und das schöne Kind scheinen 
ihr Glück der Welt triumphirend mitzutheilen; das tiefste 
Glück ist aber, wie Iphigenie sagt, „arm und stumm“. In 
der häfslichen Erscheinung wird die Seligkeit der Mutter¬ 
liebe zu etwas Heiligem, zu einer Welt für sich, die mit 
dem Glück des sinnlichen Daseins nichts gemein hat. „Quand 
je ferai une mère", sagt Millet, dessen Bilder ganz beson¬ 
ders geeignet sind, diese Bedeutung des Häfslichen schätzen 
zu lehren, „je tâcherai de la faire belle de son seul regard 
sur son enfant“ *). 
Es ist einleuchtend, dafs eine solche Verwerthung des 
Häfslichen nicht in der hellenischen Kunst zu suchen ist - 
denn der hellenische Geist sieht im sinnlichen Dasein seine 
*) Ygl. „Zeitschrift für bildende Kunst“, Dezemb. 1890, S. 67.
        

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