Bauhaus-Universität Weimar

Das Häfsliche. 287 
selnden, heiseren Töne, die fleckigen, fahlen, trüben, 
schmutzig durcheinander gemischten Farben zeigen nicht 
nur einen Mangel an Reinheit und Einfachheit, sondern 
stellen zugleich ganz positive Charaktere dar. Auch das 
blofse Ausbleiben der Harmonie wirkt noch nicht sinnlich 
unangenehm, sondern erst das positive Zusammenzwängen 
feindlicher Töne oder Farben zu einer Disharmonie. Im 
Bereiche der Linien und Flächen macht es einen un¬ 
angenehmen Eindruck, wenn Formen hervortreten, denen 
das Auge nur mit Mühe zu folgen vermag, die aber doch 
positive Formen, keine blofse Formlosigkeit sind; hierher 
gehört alles Abgerissene, Stofsartige. Das Auge will einer 
Rundung entlanggleiten und mufs immer wieder seine ganze 
Bewegung ändern; oder es verfolgt eine Gerade, die auf 
einmal in’s Schwanken kommt und ihre eigene Unsicherheit 
dem nachfahrenden Blick mittheilt. Auch das blofse Nicht¬ 
vorhandensein der Regelmäfsigkeit würde uns indifferent 
lassen; wo aber der Schritt des Rhythmus zu taumeln be¬ 
ginnt, wo von einem Mittelpunkt oder von einer Mittelachse 
eine asymmetrische Gliederung ausgeht, die das Ganze aus 
dem Gleichgewicht bringt, wo das Gesetz der Proportionali¬ 
tät sich in Willkürlichkeit verwandelt, wo die angenehme 
Gliederung nach dem goldnen Schnitt verzerrt wird, d. h. 
überall, wo Unvereinbares zu dem falschen Schein einer 
Ordnung zusammengefügt wird, da tritt das sinnlich Unan¬ 
genehme und mit ihm das Häfsliche in Erscheinung. Denn 
unsere Sinne werden dabei aus dem regelmäfsigen Schritt, 
den sie gehen möchten, herausgestofsen, sodafs wir bei aller
        

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