Bauhaus-Universität Weimar

Kritik falscher Definitionen. 
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dem Gattungsmäfsigen zusammentrifft, werde ich sagen 
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können : ist die Gattung schön, so wird auch der ihr ange¬ 
hörende vollkommene Organismus schön sein; ist sie aber 
häfslich, so kann alle innere Zweckmäfsigkeit der Gestalt zu 
keiner Schönheit verhelfen. 
Ich habe aber nicht ohne Grund gesagt, das Organische 
falle mit dem Typischen nur zum Theil, nicht vollständig 
zusammen. Die Grundzüge der Gestalt müssen allerdings 
der Gattungsidee völlig entsprechen, wenn der Gegenstand 
den Eindruck organischer Vollkommenheit machen soll. 
Auch kann man ja, wie ich gezeigt habe*), das Typische dem 
Individuellen mehr und mehr annähern und so eine immer 
gröfsere Anzahl von wesentlichen Merkmalen gewinnen, die 
der bestimmte vollkommene Organismus zur Darstellung 
bringen mufs. Trotzdem wird das Typische nie die ganze, 
unerschöpfliche Reichhaltigkeit des Individuellen erreichen; 
auch da, wo man durch die Vermehrung der Merkmale so- 
weit gekommen wäre, dafs schliefslich nur noch die einzelne 
Erscheinung, der man zustrebt, alle diese Merkmale verträte, 
auch da würde der individuelle Gehalt nur bezeichnet, um¬ 
schrieben, nicht erschöpft sein, weil eben der Reichthum des 
Individuellen unerschöpflich ist. Darum bleibt auch der or¬ 
ganischen Gestaltungskraft immer noch ein Spielraum für 
rein individuelle Züge frei, und hierin liegt der Grund, dafs 
der Begriff des Organischen durch die Anlehnung an das 
*) S. o. S. 138 f. 
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