Bauhaus-Universität Weimar

Kritik falscher Definitionen. 
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bei denen der Zweck stofsartige, abrupte, eckige, also sinn¬ 
lich unangenehme Bewegungen fordert, verschwindet die 
Bewegungsschönheit vollständig — ein Beweis dafür, 
dafs auch hier allein im sinnlich Angenehmen das psychische 
Material zu finden ist, aus dem der Eindruck des Schönen 
entsteht. Sucht man ein entferntes Ziel in relativ kurzer 
Zeit durch „Dauerlauf" zu erreichen, so ist die dieser Ab¬ 
sicht angemessenste Bewegung durchaus nicht schön ; eben¬ 
so ist die Bewegung der Beine beim Schwimmen, die der 
Arme beim Schütteln einer Arzeneiflasche oder beim Zer- 
reifsen eines Stoffes trotz ihrer Zweckmäfsigkeit nicht schön, 
weil sie nicht sinnlich angenehm ist. Solche Beispiele sind 
freilich selten, weil der menschliche Körper, wo es nur 
irgend angeht, gerundete, weiche Bewegungen ausführen 
wird; wenn aber die Zweckmäfsigkeit die eigentliche Ursache 
der Schönheit wäre, so liefse es sich nicht absehen, warum 
das Ausstofsen der Beine bei der herrlichen, so viele wohl- 
thuende Associationen hervorrufenden Schwimmbewegung 
nicht eben so schön sein sollte als der Schwung des Armes 
beim Speerschleudern. 
Ich habe nun die teleologische Vollkommenheit der Ge¬ 
stalt in’s Auge zu fassen. Diese ist offenbar mit dem Be¬ 
griff des Organischen verwandt, sodafs ich also an dieser 
Stelle zugleich über die Bedeutung des Organischen für die 
Schönheit zu urtheilen habe. Denn es ist die von innen 
herauswirkende, den Körper scheinbar nach einem bestimm¬ 
ten Plan formende Gestaltungskraft, welche zugleich den 
Eindruck der inneren Zweckmäfsigkeit und des Organischen 
Groos, Aesthetik. 18 
J
        

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