Bauhaus-Universität Weimar

Kritik falscher Definitionen. 
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lege mir z. B. die Entstehung eines Thongefäfses und folge 
dabei den von Semper beeinflufsten Bemerkungen Lemckes. 
Es soll aus Thon ein Gefäfs gebildet werden zur Aufbe¬ 
wahrung von Flüssigkeit, geeignet dieselbe auszuschenken. 
Da verlangt gleich von vorneherein sowohl das Material 
als die Technik des Töpfers die Bevorzugung rundlicher 
Formen — diese sind also hier das Zweckmäfsigste. In 
Folge dessen könnte man zunächst an die Kugelform denken. 
Die Kugel ist aber im Gebrauch unhandlicher, also unzweck 
mäfsiger als die Ei form. Sie mufs z. B. freier getragen 
werden, als die in längeren Linien sich an den Körper 
mehr anlegende Eiform, wenn man sich ein solches Gefäfs 
etwa in der Hand getragen denkt. Es ist also eine aus 
Thon gebildete Eiform als der eigentliche Kern des Gefäfses 
anzunehmen. Damit das Gefäfs stehen kann, wird man das 
untere Ende abstumpfen oder einen Fufs anbringen. Wel¬ 
ches Ende soll aber das untere, welches das obere sein? 
Semper weist vortrefflich nach, wie für die Form die Art 
und Weise des Tragens in Betracht kommt. Wenn ein Ge¬ 
fäfs auf dem Kopfe getragen wird, wird man den Schwer¬ 
punkt lieber in die Höhe verlegen. „Wer den Versuch 
macht, einen Stock auf den Fingerspitzen zu balanciren, 
wird dies Kunststück leichter finden, wenn er das schwerste 
Ende des Stockes zu oberst nimmt.“ Kommt es hauptsäch¬ 
lich auf sicheres Stehen an, so wird man den stumpferen 
Theil der Eiform nach unten nehmen, in jenem Falle den¬ 
selben nach oben. Andrerseits mufs nun das Gefäfs eine 
Oeffnung zum Einfüllen, wie zum Ausgiefsen der Flüssig- 
J
        

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