Bauhaus-Universität Weimar

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Das Schöne. 
angemessenen Bethätigung. Dieses Gefühl wird nun durch 
die ästhetische Anschauung in den objectiven Träger 
der angenehmen Wirkung projicirt. Das Behagen 
unserer Sinne begleitet uns bei dem nachahmenden Ein¬ 
leben in das angenehme Object, und so kommt es, dafs uns 
im ästhetischen Schein alles sinnlich Angenehme als die 
Erscheinung einer freundlichen, in sich gesicherten, daseins¬ 
freudigen Persönlichkeit entgegentritt. Weil die äufseren 
Formen unserem eigenen Ich angenehm sind, bilden sie 
auch die willigen, brüderlich vereinten Diener der aus dem 
Object herausschauenden Seele, die ja nichts anderes ist als 
unser eigenes dahinüber gewandertes Ich. Das Materielle 
erscheint beim schönen Gegenstand nicht als die träge, 
widerstrebende Masse, die sich der Geist nur mühsam zum 
Dienste zwingt, sondern als eine schmiegsame, dem Gei¬ 
stigen stammesverwandte Hülle, als ein lebendiges Gewand, 
in dem es sich die Seele wohl sein läfst; es erscheint nicht 
mehr als die trübe irdische Stofflichkeit, sondern als die 
Daseinsform einer höheren, glücklicheren Welt, gleichsam 
als der verklärte Leib himmlischer Wesen. Es wird ja zwar 
alles ästhetisch Angeschaute in eine ideale, den alltäglichen 
Interessen entrückte Sphäre emporgehoben; aber nur bei 
dem Schönen hat diese Erhebung zugleich den Charakter 
einer freudigen Verklärung. Die Beseelung des Sinn¬ 
lichen ist in jeder ästhetischen Anschauung, aber seine 
Beseligung nur in der Anschauung des Schönen. Das 
Schöne hat daher etwas im griechischen Sinne Göttliches, 
es zaubert uns nicht den christlichen Himmel, sondern den
        

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