Bauhaus-Universität Weimar

Das Schone. 
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in so angenehmer Bewegung an dem Rundbogen entlang 
gleitet, kommt es uns vor, als schwinge sich der Stein selbst 
in ungehemmt fliegendem Schwünge von Pfeiler zu Pfeiler; 
weil unser Blick unaufhaltsam an dem gothischen Gewölbe 
hinaufgeleitet wird, scheint die ganze Masse ihre Schwer¬ 
kraft verloren zu haben und sehnsuchtsvoll der Vereinigung 
in der Höhe entgegenzueilen. Dazu kommt in den geraden 
Linien der Eindruck ruhiger Kraft und Tüchtigkeit; die 
Horizontale zeigt sich breit und gewichtig hingelagert, die 
Senkrechten stehen in stolzer Gelassenheit da, als sichere 
Träger des Ganzen; überall spricht aus der angenehmen 
Form eine zielbewufste Kraft, die so erscheinen will, wie sie 
erscheint, und die es sich wohl sein läfst in der überwältig¬ 
ten, fügsamen Materie. 
Sehr grofs ist die Veränderung, welche das Angenehme 
einer wohlklingenden Tonfolge im ästhetischen Bewufst- 
sein erfährt. Sobald der Zuhörer mit ganzer Seele in die 
angenehme Bewegung der Töne eingeht, wird er den Ver¬ 
gleich mit der Arabeske als völlig ungenügend empfinden 
müssen. Indem er durch die herrschende innere Nach¬ 
ahmung mit seinem ganzen Gefühlsvermögen der Melodie 
folgt, wird jedes Auf- und Absteigen, jede Verstärkung und 
Verminderung, jede Beschleunigung und Verlangsamung 
mit einem geistigen Gehalt durchdrungen, welcher der Musik 
erst ihre rechte Würde verleiht. „Man wird", sagt Theodor 
Alt, „zugestehen müssen, dafs die Musik, wenn sie nichts 
hervorbringen könnte als Tonarabesken, welche einen 
geistigen Gehalt schlechterdings nicht haben können, die 
Gr r o o s, Aesthetik.
        

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