Bauhaus-Universität Weimar

Das Schöne. 
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alles sinnlich Angenehme, sofern alle nicht sinnlichen Lust¬ 
oder Unlustgefühle streng davon gesondert werden, auf Un¬ 
organischem beruht"*). Der angenehme Eindruck, den da¬ 
bei die Schwingungen eines unbeseelten Mediums auf das 
Auge oder Ohr machen, kann nicht viel intensiver sein als 
das Lustgefühl, welches ein weicher und glatter Stoff der 
tastenden Hand verursacht. Alles Andere ist nicht Eigen¬ 
thum des blofs Angenehmen, sondern gehört den Wirkungen 
der ästhetischen Thätigkeit an. Der beste Beweis hierfür 
liegt darin, dafs auch eine nicht angenehme unreine 
Farbe, wie ein unscheinbares und reizloses Braun, die volle 
seelische Wirkung in der ästhetischen Betrachtung er* 
langen kann, ohne darum schön zu werden. Ein solches 
Braun ist für die sinnliche Auffassung indifferent und wird 
daher auch im ästhetischen Schein nicht schön. Aber trotz¬ 
dem zeigt es sich voll Ausdruck und Leben, weil es von 
dem nachahmenden Schauen durch eine ganze Reihe von 
Associationen zu einer seelenvollen Wirkung erhoben wird. 
Vischer, der einen etwas einseitigen Kulfus der schönen 
Farben treibt und dadurch z. B. zu der Behauptung ver¬ 
leitet wird, ein „schreiend" blau angestrichenes Haus wirke 
nur darum nicht ästhetisch, weil an den Gesimsen, Läden 
u. s. w. das Orange fehle**), sagt von. dem Braun, es habe 
zwar die Bedeutung der Kraft, Nützlichkeit und Tüchtigkeit, 
*) „Aesthetik", II, 78. 
**) Vischer, „Aesthetik", § 253. 
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