Bauhaus-Universität Weimar

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zung der Schritte nimmt in einer dem Auge angenehmen 
Weise zu. Handelt es sich in dieser Hinsicht um Form¬ 
glieder, welche in Einer Richtung aneinandergereiht sind, so 
wird bei einer Zusammensetzung aus nur zwei verschie¬ 
denen Theilen die Annehmlichkeit darin bestehen, dafs das 
erste Glied einen deutlichen Mafsstab für das zweite abgibt, 
dafs also die Gröfsenveränderung ein einfaches, leicht über¬ 
sehbares Verhältnifs darstellt : hat sich das messende Auge 
das erste Glied eingeprägt, so wird ihm bei dem zweiten 
das Geschäft erleichtert. Die Zweitheilung nach dem „gol¬ 
denen Schnitt" - a:b = b:(a + b)- geht dagegen 
über das Verhältnifs zweier Theile hinaus, indem als drittes 
Glied das Ganze hereinbezogen wird. Bei einer solchen 
Beziehung von mehr als zwei Theilen ist es zweifellos für 
das Auge am angenehmsten, wenn die Zunahme oder Ab¬ 
nahme der Gröfse gleichmäfsig fortschreitet. Dieses 
gleichmäfsige Gröfser- oder Kleinerwerden der Glieder wird 
sich mathematisch bestimmen lassen, und es ist leicht ein¬ 
zusehen, dafs auch hier ein einfaches Gröfsenverhältnifs 
dem Auge am ehesten das Gefühl ungestörter Vorwärts¬ 
bewegung verschaffen wird. Doch ist es gut, in dieser Be¬ 
ziehung einen Unterschied zu machen zwischen der Ein¬ 
fachheit, welche an einem Verhältnifs für die mathematische 
Rechnung vorhanden ist, und zwischen der Einfachheit, 
welche dasselbe Verhältnifs für das bewegte Sehen besitzt. 
So wird, wenn die Formglieder fortlaufend nach dem gol¬ 
denen Schnitt getheilt sind, nicht die geometrische Propor¬ 
tion als solche einen geheimnifsvollen Eindruck auf das 
Das Schöne.
        

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