Bauhaus-Universität Weimar

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Das Schöne. 
den harmonischen Verhältnissen als für sie wichtige und 
wohllautende bestimmt sind. . . . Wir können vorläufig 
sagen : Harmonie ist ein Zusammenklang, Melodie eine 
Folge wohlklingender Töne; . . . Harmonie ist in eins ge¬ 
setzte Melodie, Melodie entfaltete Harmonie“ *). Das gilt 
aber nur von der sinnlich angenehmen Tonfolge; nicht jede 
ästhetisch wirksame Melodie ist sinnlich angenehm, gerade 
so wenig wie jedes ästhetisch verwerthbare Zusammen¬ 
klingen von Tönen. Es zeigt sich eben, da das Schöne auf 
dem sinnlich Angenehmen beruht, auch hier, dafs nicht alles 
Aesthetische schön ist. — Ich habe hier durch die Anord¬ 
nung, die ich wählte, das sinnlich Angenehme einer succes- 
siven Tonbewegung mit den angenehmen Formen der sicht¬ 
baren Welt zusammengestellt. Dafs dies berechtigt ist, 
zeigen die bekannten Vergleiche der Musik mit den Formen 
der Architektur (Schlegel) und der Arabeske (Hanslick). 
Die Aesthetik macht dabei nur dann einen Fehler, wenn sie 
diese sinnlich angenehme Wirkung der Tonfolge schon für 
den vollen Ausdruck des musikalisch Schönen hält und 
daher die ganze ästhetische Leistungsfähigkeit einer Melodie 
mit dieser Parallele erschöpft zu haben glaubt. Beim Schönen 
kommen noch wichtige andere Bestimmungen hinzu, die erst 
durch das wahrhaft ästhetische Verhalten des Bewufstseins 
in Wirkung gesetzt werden; nur das sinnlich Angenehme 
der Tonfolge liegt hauptsächlich in einer blofs äufserlich 
formalen Wirkung und läfst sich so durch den Vergleich 
*) Moritz Carrière, „Aesthetik“, 3. Aufl. Lpzg. 1885, II. S. 405.
        

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