Bauhaus-Universität Weimar

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Schlufsbemerkung. 
Gelassenheit vor uns da und fordern höchstens durch das 
sinnlich Angenehme ihrer Erscheinung zu einer eingehenden 
und sich in das Object einlebenden Betrachtung auf. Bei 
solchen Gegenständen scheint nun häufig ein kurzer Blick, 
bei dem wir uns einer inneren Nachahmung nicht leicht be- 
wufst werden, auszureichen, um — unter Umständen recht 
starke — ästhetische Gefühle zu erzeugen. Wie verträgt 
sich dies mit der Ansicht, dafs erst durch ein spielendes 
Verweilen in der Thätigkeit der inneren Nachahmung 
wahrhaft ästhetische Gefühle hervorgerufen werden? 
Ich glaube mich nicht zu irren, wenn ich eine solche 
anscheinend unmittelbar im Bewufstsein entspringende ästhe¬ 
tische Befriedigung nicht für etwas wirklich Unmittelbares 
und Ursprüngliches halte, sondern für ein abgekürztes 
Verfahren, das nur durch Uebung und Gewohnheit 
möglich ist und nie erfolgreich sein könnte, wenn das Be¬ 
wufstsein nicht schon vorher mit der inneren Nachahmung 
vertraut gewesen wäre. Wenn etwa dem Jäger, der mit 
leidenschaftlicher Spannung auf die Erlegung des Wildes 
concentrirt ist, beim ersten Anblick des aus dem Dickicht 
hervortretenden Rehes eine Secunde lang das Bewufstsein 
auftaucht, wie zierlich und behend seine Beute aussieht, so 
kann dieses ästhetische Gefühl nur darum mit solcher 
Schnelligkeit in ihm entstehen, weil er die Formen eines 
Rehes schon oft und lange mit ästhetischer Freude betrachtet 
hat. Wenn der Kunstkenner vor einer reichgeschmückten 
Façade steht und es fast mit Einem Blick übersieht, dafs 
das Bauwerk ein Muster reiner Renaissance ist, so ist dies
        

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