Bauhaus-Universität Weimar

Schlufsbemerkung. 
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sowie sie vielmehr soweit vorgeschritten ist, dafs wir wissen, 
mit was für einem Gegenstand wir es zu thun haben — und 
zu diesem Zweck braucht das innere Bild sehr wenig voll¬ 
ständig zu sein *) —, eilt das Bewufstsein zur Befriedigung 
seiner realen Interessen weiter und läfst der eben erst be¬ 
gonnenen inneren Nachahmung keine Zeit, ihre eigentüm¬ 
lichen Gefühle voll zu entfalten. Die ästhetische Anschauung 
dagegen verlangt, dafs wir uns dem inneren Spiele mit 
ganzer Seele hingeben und darüber alle Sorgen, Wünsche 
und Bestrebungen vergessen, die uns im aufserästhetischen 
Zustande erfüllen. 
Dieser Darlegung scheint es nun zu widersprechen, 
dafs die Menschen in das Spiel der inneren Nachahmung 
durchaus nicht immer mit ganzem Gemüth und mit allen 
Kräften eintreten, sondern sich in sehr vielen Fällen schon 
mit einer recht flüchtigen Würdigung des sinnlich Gegebenen 
begnügen, die ihnen aber trotzdem einen ästhetischen Genufs 
verschafft. Dies gilt besonders von ruhenden Gegenständen, 
weniger von bewegten. In den successiven Ablauf mensch¬ 
licher Rede, in den Rhythmus der Töne und in die Be¬ 
wegungen sichtbarer Körper werden wir mit fast unwidersteh¬ 
licher Gewalt nachahmend hineingerissen, sobald wir nur 
den geringsten Ansatz zu einem ästhetischen Verhalten 
machen. Dagegen stehen ruhende Gegenstände in stiller 
*) Einen Beweis hierfür liefert die oft überraschend grofse 
Lückenhaftigkeit unserer Erinnerungsbilder.
        

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