Bauhaus-Universität Weimar

180 Die Lust an der inneren Nachahmung*. 
kungen unseres eigenen Lebens na.cha.hm.end. hineinreifst in 
die gewaltigen Leidenschaften und die gewaltigen Schick¬ 
sale ganzer, in sich geschlossener Charaktere. Da ist es 
wahrlich nicht zu verwundern, wenn der Spieltrieb, der uns 
eine solche Erhebung verschafft, stark genug ist, um die 
gereinigten Erschütterungen eines tragischen Unterganges 
noch auf einem Strom edlen Genusses zu tragen. 
Freilich — das mufs ich zum Schlufs noch betonen — 
absolut überlegen ist die Freude am Spiel der inneren 
Nachahmung über die dabei entstehenden Unlustgefühle 
nicht. Wie es dem Kinde „über den Spafs“ gehen kann, 
wenn die durch das Spiel erregten Unlustgefühle allzustark 
werden, so kann auch der Genufs der inneren Nachahmung 
von gar zu schmerzlichen Nachahmungsgefühlen übertäubt 
werden. Wenn manche schon in einer classischen Tragödie 
so schmerzlich von der inneren Nachahmung ergriffen 
werden, dafs es ihnen sozusagen auch „über den Spafs“ geht, 
d. h. dafs sie das Spiel nicht mehr als Spiel empfinden, so 
ist das wohl ein Fehler auf Seiten des Zuschauers. Es gibt 
aber auch Kunstwerke, bei denen der Künstler selbst dem 
Zauber der inneren Nachahmung zu viel zugetraut hat. So 
wird es manchen bei Ibsens „Gespenstern“ ergehen, beson¬ 
ders solchen, bei denen die innere Nachahmung sich fast 
ausschliefslich auf das Miterleben der Handlung und nur 
wenig auf das Nachconstruiren der grofsartig angelegten 
künstlerischen Composition concentrirt. Sie haben wohl ein 
Gefühl der Bewunderung für die packende Darstellung ; 
aber die Nachahmungsgefühle, welche erregt werden, bilden
        

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