Bauhaus-Universität Weimar

Die Lust an der inneren Nachahmung. 
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Aehnlichkeit darin, dafs in dem ästhetischen Bewufstsein 
gerade wie in dem Bewufstsein des spielenden Kindes „die 
Handlungen selbst, ohne Rücksicht auf irgend welchen 
Zweck, den Hauptgegenstand bilden" *). Er hebt also die¬ 
jenige Eigenthümlichkeit der ästhetischen Anschauung her¬ 
vor, welche ich so ausdrückte : wir ahmen innerlich nach, 
rein um die Lust an diesem Nachahmen zu geniefsen, gerade 
wie die Kinder nicht um eines äufseren Zweckes willen 
spielen, sondern rein aus Freude am Spiel als solchem. 
Ueber die blofse Anerkennung dieser Aehnlichkeit ist 
Spencer nicht hinausgegangen; Kant dagegen hat mit voller 
Bestimmtheit die ästhetische Anschauung als ein Spiel be¬ 
zeichnet. Sie ist ihm eine Thätigkeit, die sich ohne alles 
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darüber hinaus gerichtete Interesse vollzieht und darum 
als „ein freies Spiel der Vorstellungskräfte“ gefafst werden 
mufs **). Kant hebt hier durch das beigefügte Eigenschafts¬ 
wort ganz richtig auch die Freiwilligkeit hervor, welche das 
ästhetische Anschauen mit dem äufseren Spiel gemein hat. 
Aber er giebt seiner Erklärung dadurch eine bedenkliche 
Wendung, dafs er nicht von einem Spiele des ästhetisch 
weiche Gründe für diese Behauptung angeführt oder weitere Schlüsse 
daraus gezogen waren. Der Ausspruch selbst aber ist mir im Ge¬ 
dächtnis gehliehen, weil er, wenn auch nicht buchstäblich richtig, 
doch den Schatten einer Wahrheit enthält.“ („Principien der Psy¬ 
chologie“, Uebers. von B. Vetter, II. 706.) 
*) Ehd. 714. 
**) „Kritik der Urtheilskraft" (Kehrhach), S. 61. 
ft ro o s , Aestlietik. 
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