Bauhaus-Universität Weimar

176 Die Lust an der inneren Nachahmung. 
äufsert : die Bedürfnisse ruhen, und die überschüssige Kraft 
verlangt nach einer Bethätigung, welche von keinem andern 
Zwecke erfüllt ist, als eben von dem, sich zu bethätigen, 
welche also Selbstzweck ist. Ganz anders gestaltet sich aber 
die Sachlage, wenn man von den ersten Anfängen der künst¬ 
lerischen Production zu ihrer vollkommenen Ausbildung 
übergeht. Das Schaffen des wirklichen Künstlers ist kein 
Spiel mehr, sondern in den meisten Fällen ein ernstes und 
mühevolles Ringen mit dem widerstrebenden Stoff. Nur 
wenige Künstler, wie etwa Mozart, haben spielend producirt. 
Bei Schiller selbst, oder bei Michelangelo kann von einem 
spielenden Hervorbringen des Kunstwerkes gar keine Rede 
sein. 
Dagegen ist, wie ich zu zeigen versuchte, die ästhe¬ 
tische Anschauung immer als ein Spiel zu betrachten. Eine 
gewisse Aehnlichkeit der ästhetischen Gefühle mit den 
im äufseren Spiel erregten Gefühlen erkennt auch Herbert 
Spencer an, der vielleicht durch Schiller zu einer solchen 
Vergleichung angeregt wurde* *). Nach Spencer liegt diese 
Thier arbeitet, wenn ein Mangel die Triebfeder seiner Thätigkeit 
ist, und es spielt, wenn der Reichthum der Kraft diese Triebfeder 
ist, wenn das überflüssige Leben sich selbst zur Thätig¬ 
keit stachelt“. 
*) „Vor vielen Jahren“, sagt Spencer, „stiefs ich auf ein Citât 
aus einem deutschen Werke, des Inhalts, dafs die ästhetischen Ge¬ 
fühle aus dem Spieltrieb entsprängen. Der Name des Autors ist 
mir entfallen und ebenso erinnere ich mich nicht mehr, ob irgend-
        

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