Bauhaus-Universität Weimar

Der typische Gehalt. 
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sich wieder eine andere Seite seines Wesens, während seine 
Gestalt die gleiche bleibt. Auch die sich am Faden herab¬ 
lassende Spinne, auch der Fisch an der Angel oder auf dem 
Fischmarkt oder in der Küche, auch der fliegende Schwan 
und die watschelnde Ente erscheint in typischer Beziehung. 
Während wir für die Gestalt eines Objects einen festen 
Vorstellungscomplex haben und dessen simultane Verkör¬ 
perung verlangen, können die vielerlei Beziehungen nach 
aufsen nur successiv in Erscheinung treten, sodafs in der 
momentanen Anschauung immer nur Eine Beziehung oder 
wenigstens nur ein Theil der möglichen Beziehungen zur 
Geltung kommt. „Die Katze", sagt Siebeck, der diese That- 
sache von einer andern Seite aus beleuchtet, „die schnurrend 
auf dem Sopha liegt, ist ein ganz andres Charakterbild als 
die Katze, die auf dem Dache nach Beute schleicht" *). Beide 
Beziehungen zugleich auszudrücken wäre unmöglich. 
Der Plastik ist bei ihrer Concentrirung auf die in sich 
geschlossene Form ein volles Heraus arbeiten der typischen 
Beziehungen versagt, dagegen kann sie um so besser die 
typische Gestalt zum Ausdruck bringen. Die typischen Be¬ 
ziehungen sind das lebendig Wechselnde und Zufällige, die 
typische Gestalt ist das Bleibende und organisch Bestimmte. 
Nach dieser letzteren Seite hin wird sich daher der Haupt¬ 
eindruck plastischer Werke fühlbar machen. 
Ich habe das Typische nach zwei Hauptrichtungen zu 
*) „Das Wesen der ästhetischen Anschauung“. S. 45.
        

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