Bauhaus-Universität Weimar

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Die Form. 
Dieses Herausheben aber, welches das Bewufstsein des Ge¬ 
genstandes ermöglicht, läfst zugleich das Bewufstsein 
seiner Form entstehen. Innere Nachahmung, Vorstellung 
des Gegenstandes und Vorstellung seiner Form gehören 
also eng zueinander; wo keine innere Nachahmung möglich 
ist, da kommt es weder zum Bewufstsein einer Form noch 
zum Bewufstsein eines äufseren Gegenstandes und inneren 
Scheines. Auch von hier aus wird wieder die Thatsache 
erleuchtet, dafs nicht alle unsere Sinne einen ästhetischen 
Genufs ermöglichen. Wie nur das Auge und das Ohr und, 
in weniger vollkommener Weise, der Tastsinn eine innere 
Nachahmung zulassen, so sind auch nur diese drei, vor 
allem das Auge und das Ohr, formbildend, so erzeugen nur 
sie im Bewufstsein den Wiederschein eines bestimmten 
Gegenstandes, so sind nur sie ästhetische Sinne. (Dafs auch 
dem Tastsinn eine — freilich geringere — ästhetische Fähig¬ 
keit zukommt, ist ja bekannt*). — Es gibt also keinen Gegen¬ 
stand oder — genauer ausgedrückt — es gibt kein Bewufst¬ 
sein eines Gegenstandes, welches nicht in Folge der inneren 
Nachahmung zugleich das Bewufstsein einer Form wäre. In 
Fällen, wo das sinnlich Gegebene an sich keinen Anlafs zur 
Vorstellung einer Form gibt, entsteht sogar die Form aus 
dem Versuch, das sinnlich Gegebene dennoch zu um¬ 
schreiben und abzugrenzen, wie dies bei der schon erwähnten 
Gewölbeform des Himmels der Fall ist. Da nun jede Form 
*) Vgl. o. S. 41. Anm.
        

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