Bauhaus-Universität Weimar

Die innere Nachahmung. 
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Ausnahmefall vorliegt. Und dies trifft in der That zu. 
Denn diese ästhetische Illusion wiederholt nur in einem 
höheren Gebiete denselben Vorgang, der unsere ganze 
Sinnesthätigkeit beherrscht, nämlich die Projection 
blofs subjectiver Umwandlungen in das Object. 
Wie die Veränderungen, welche das von aufsen Gegebene 
durch die sinnliche Perception erleidet, auf das äufsere 
Object selbst projicirt werden, so ist es auch bei der höheren 
Thätigkeit der inneren Nachahmung. Wie ich den Eindruck 
habe, als seien die Gegenstände selbst mit Farben ge¬ 
schmückt, als sei die Welt auch an sich und unabhängig 
von meinem Hören mit Tönen erfüllt, obwohl Farben und 
Töne subjective Umwandlungen des äufserlich Gegebenen 
sind, so tritt mir auch in der ästhetischen Anschauung der 
leblose Gegenstand scheinbar mit einer von mir unabhängigen 
Seele entgegen, ohwohl es mein eigenes Ich ist, welches ich 
in ihn projicire. Der Unterschied ist nur der, dafs ich aus 
der ästhetischen Projection heraustreten kann, während 
die sinnliche Projection immer eintreten mufs und dadurch 
eine empirische Nothwendigkeit erhält, die sie über den 
Charakter einer blofsen Illusion erhebt. Beide Projectionen 
besitzen, um mit Kant zu reden, transscendentale Idealität; 
aber die empirische Realität gilt für die sinnliche Projection 
allgemein und zu jeder Zeit, für die ästhetische nur so lange, 
als die innere Nachahmung dauert. 
» 
Darin besteht also ein wichtiger Unterschied zwischen 
der Erscheinung und dem ästhetischen Schein. Könnte man 
aus der sinnlichen Projection ebenso heraustreten wie aus 
G r o o s, Aesthetik. 
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