Bauhaus-Universität Weimar

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geführten und peplanten Einrichtung dieser neuen Telegraphie entnehmen 
lassen, welche wir folgen lassen werden, nachdem wir die geschichtlich 
merkwürdigen Entdeckungen und Vorrichtungen angeführt haben, die als 
Uebergangsstufen zu der jetzigen Einrichsung erscheinen. 
Nach dem Mech. Mag. 1837, Nr. 748, p. 160, wird in Young’s 
Travels in France (1787, 4. ed. Vol. I, p. 79) eines gewissen Lomond 
Erwähnung gethan, welcher eine gewöhnliche Elektrisirmaschine so ein¬ 
gerichtet hatte, dass er durch dieselbe von dem Zimmer aus, worin sie 
aufgestellt war, Zeichen in ein benachbartes Zimmer geben konnte, wel¬ 
che dort an einem mit Hollundermark-Kügelchen versehenen Elektrometer 
abgenommen wurden. Unstreitig liegt hier die erste Anwendung der 
Reibungselektricität zur Telegraphirung vor , und zugleich ist eine me¬ 
chanische Wirkung der Elektricität die Vermittlerin der Zeichengebung. 
1794 benutzte Reiser nach Voigt’s Magazin, Bd. 9, Stück 1, den 
elektrischen Funken zum Telegraphiren auf folgende Art : Er befestigte 
auf einer Glastafel Staniolstreilen, die mit Buchstaben bezeichnet wurden, 
und stellte diese Tafel an dem einen Endpunkte der telegraphischen Linie 
auf; am andern Endpunkte befand sich eine Elektrisirmaschine, und von 
dieser gingen bis zum andern Ende Drähte in Glasröhren, welche mit 
den Enden der Staniolstreifen verbunden waren. Die elektrische Wir¬ 
kung der Maschine wurde so auf den Staniolstreifen übertragen, dessen 
Drahtenden mit ihr verbunden waren. Ob diese Einrichtung je ausge¬ 
führt wurde oder nur Idee blieb, ist unbekannt. 
1798 errichtete Dr. S.vi.va in Madrid einen ähnlichen Telegraphen 
(vergl. Voigt’s Magazin, Bd. 11, Stück 4); er hatte die Genugtuung, 
vor dem Friedensfürst zu experimentiren, und von dem Infanten Don 
Antonio bei Ausführung eines bedeutend grossen Modells unterstützt 
zu werden. 
Volta’s Fntdeckung der nach ihm benannten Säule brachte S. T. 
Sömmering im Jahre 1808 auf die Idee, als Erregungsmittel die Beriih- 
rungselektricität zu wählen, durch deren Anwendung die bedeutende 
Schwierigkeit der Isolation bei den Drahtleitungen doch etwas vermin¬ 
dert wurde ; eben so entschloss er sich, die chemische Wirkung dem 
blossen Funken beim Geben des Zeichens zu substituiren, weil die erste 
beliebig lange unterhalten werden kann , während der Funke plötzlich 
verschwindet; weil selbst die geringste chemische Wirkung, z. B. Gas¬ 
entbindung, leicht in die Augen fällt, was mit dem Funken am Tage 
weniger deutlich stattfindet ; weil es möglich war, durch Gasentbindung 
zwei Buchstaben auf einmal zu signalisiren, und weil man so nur zwei 
Drähte (gehörig isolirt) zwischen zwei Orten zu legen braucht, während es
        

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