Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Resultate der neueren Forschungen über thierische Electricität. (Schluss)
Person:
Helmholtz, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39600/5/
m 
PlatinplQjten,. welche an die Enden der. Multiplicätordrähte befestigt sind, tau¬ 
chen wie gewöhnlich in Geiasse mit Kochsalzlösung gefüllt. In eines dieser 
Gelasse taucht der Experlmentirende einige Finger der einen, in das andere 
dieselben der anderen Hand, während er die Hände selbst auf eine hölzerne 
Unterlage aufstützt, um ihnen eine sichere Stellung zu geben. Ungleichmässig- 
keiten in der Haut der ein getauchten Finger bedingen gewöhnlich vorüber¬ 
gehende leichte Bewegungen der Nadel; endlich kommt sie zur Ruhe. Jetzt 
spannt der Experimenlirende sUmmtliche Muskeln des einen Arms, während 
die des andern erschlafft bleiben. Sogleich setzt sich die Nadel in Bewegung, 
und zeigt einen Strom an, welcher in dem gespannten Arme von der Hand 
zur Schulter, geht, und so lange anhalt, wie die Spannung des Arms. Es 
geht daraus hervor, dass auch der Mensch in jedem seiner Muskeln einen 
electromotorischen Apparat besitzt, den er in jedem Augenblicke nach aussen 
wirksam machen kann. Freilich sind diese Wirkungen sehr schwach, weil 
eben nur ein äusserst geringer Théil dieser Ströme nach aussen abgeleitet 
werden kann. 
Eine viel vollständigere Idee von der negativen Stromesschwankung be¬ 
kommen wir durch ein zweites Hülfsmittel zur Auffindung sehr schwacher elec- 
trischer Ströme, nämlich durch den stromprüfenden Froschschenkel. 
Man versteht darunter einen enthäuteten Unterschenkel nebst Fuss eines Frosches, 
den man so vom Thiere getrennt hat, dass der ganze Hüftnerv damit in Verbindung 
bleibt. Der schwächste und flüchtigste ,electrische Strom, welchen man durch 
den Nerven fliessen lässt, erregt eine Zuckung. Ich habe schon erwähnt, 
dass erst die höchste Vervollkommnung des Multiplicators nüthig war, um ihm 
dieselbe Empfindlichkeit für electriscbe Ströme zu geben, wie sie der Nerv 
besitzt. Diese beiden Stromprüfer gehen sich aber in ihren Anzeigen keines¬ 
wegs parallel. Der Multiplicator giebt das dauernde Vorhandensein eines 
Stromes zu erkennen > das thierische Präparat antwortet nur auf Stromes¬ 
schwankungen. Jener kann sehr schnell vorübergehende schwache Ströme 
nicht angeben, welche hier die heftigste Zuckung hervorrufen, und wiederum 
bleibt der Nerv unempfindlich gegen langsam ansteigende, gleichmässig an¬ 
dauernde und langsam sinkende selbst recht heftige Ströme, welche auch 
durch einen unempfindlichen Multiplicator leicht angegeben werden. So lange 
ein Strom gleichmässig andauert, wird wohl der Multiplicator, nicht aber das 
thierische Präparat afficirt, aber jener kann einen gleichmässig andauernden 
Strom nicht von einem solchen unterscheiden, welcher sehr schnellen periodi¬ 
schen Schwankungen seiner Grösse oder Unterbrechungen unterworfen ist, 
während der Muskel durch einen solchen in anhaltenden Krampf versetzt 
wird. Wir können also durch den stromprüfenden Froschschenkel einiges er¬ 
mitteln , wobei uns der Multiplicator seine Dienste versagt. 
Der normale Muskelstrom kann durch den stromprüfenden Schenkel an¬ 
gegeben werden; man braucht nur den Nerven des letzteren als leitenden 
Bogen so mit einem Muskel in Verbindung zu setzen, dass er dessen Längs-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.