Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Resultate der neueren Forschungen über thierische Electricität. (Schluss)
Person:
Helmholtz, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39600/1/
Die Resultate der neueren Forschungen über 
thierische Electricität. 
(Schluss.) 
Veränderungen der Muskel- und Nervenströme. 
Ich habe bisher die Strome so beschrieben, wie sie am ruhenden Muskel 
und Nerven Vorkommen. Es giebt nun namentlich zwei Vorgänge, bei denen 
theils die Stromesstärken, theils die Stromesrichtungen sich wesentlich ändern, 
nämlich die Innervation und die electrische-Durchströmung der thierischen Ge¬ 
bilde. Beide Aenderungen sind durch du Bois gefunden worden, nur eine 
hierher gehörige Thatsache, aber nicht ihre Deutung von Matteucci. Ich 
beginne mit der Aenderung, welche durch electrische Durchströmung hervor¬ 
gerufen wird, weil daraus sich zunächst eine wichtige Folgerung für die Zu¬ 
sammensetzung der electromotorischen Molekeln ergiebt. Bisher lagen am 
vollständigsten die Untersuchungen über den dahin gehörigen Vorgang am 
Nerven vor. 
Lässt man irgend eine Stelle eines Nerven von einem electrischen Strome 
durchfliessen, den wir den erregenden nennen wollen, so entwickelt sich ne¬ 
ben dem Nervenstrome, den wir früher beschrieben haben, noch eine zweite 
Art electromotorischer Wirksamkeit, vermöge deren jedes Stück des Nerven 
in einem angelegten leitenden Bogen einen Strom erregt, der es in dersel¬ 
ben Richtung wie der erregende Strom durchfliesst. Du Bois nennt den auf 
diese Weise hervorgebrachten Zustand des Nerven den electrotonischen. 
Während also sonst der Nerv Ströme erregt, die an seinen beiden Enden im 
Bogen vom Längs- zum Querschnitt oder von den der Mitte näheren Theilen 
des Längsschnittes zu den den Enden näheren gehn, erregt er während des 
electrotonischen Zustandes noch ein anderes System von Strömen, welche je 
nach der Richtung der Durchströmung entweder im ganzen Nerven von oben 
nach unten, oder im ganzen Nerven von unten nach oben gehn, und sich mit 
den gewöhnlichen Nervenströmen zusammensetzen, d. h. diese da, wo sie mit 
ihnen gleiche Richtung haben, verstärken, wo entgegengesetzte, schwächen. 
Es wirkt also hierbei der Nerv seiner ganzen Länge nach ähnlich einer vol- 
taischen Säule, die in regelmässiger Abwechselung aus Kupfer, Zink und 
feuchten Pappscheiben aufgeschichtet in jedem beliebig angelegten leitenden
        

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