Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Resultate der neueren Forschungen über thierische Electricität
Person:
Helmholtz, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39599/9/
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Man nennt' diesen Zustand die galvanische Polarisation der Platten. Verbinden 
wtf hinterher die beiden Gefässe durch ein ebenfalls mit Kochsalzlösung ge¬ 
fülltes heberartiges Rohr, so dass keinerlei electromotorische Kraft innerhalb 
des flüssigen Leiters mehr vorkommt, so sind die galvanisch polarisirten Pla¬ 
tinplatten doch noch im Stande, einen Strom zu erregen, dessen Richtung der 
des ersten entgegengesetzt ist. Dieser Strom vereinigt die vorher getrennten 
Bestandtheile der Flüssigkeit wieder, und fahrt so lange fort, bis alle Zer- 
sétzungsproducte verschwunden, und die Platten wieder gleichartig sind. Da¬ 
durch ergiebt sich zugleich das Verfahren, die Gleichartigkeit der Platten zu 
controlliren und herzustellen. Man verbindet die Kochsalzgefässe, in welche 
die Multiplicatorplatten tauchen, durch ein Rohr voll Kochsalzlösung, und 
wartet, bis die Nadel keinen Strom mehr anzeigt, entfernt alsdann das Rohr, 
und schliesst den Kreis dadurch, dass man die thierischen Theile auf die 
Bäusche legt. Ströme, welche sich dann zeigen, können nur von den electro- 
motorischen Kräften der letzteren herrühren. 
Um die Richtung und Vertheilung der electrischen Kräfte in den Muskeln 
und Nerven zu beschreiben, muss ich einiges über ihre Structur voraus- 
schicken. Beide bestehen aus Fasern eigenthümlicher Art. Die Muskelfasern 
(Primitivfasern) sind so fein, dass sie mit blossem Auge eben noch gesehen 
werden können, von rüthlicher Farbe, liegen in der Regel parallel neben ein¬ 
ander, und sind meist mit ihren Enden zunächst an Sehnen und durch diese 
an Knochen geheftet. Die der willkührlich bewegten Muskeln, mit denen 
wir es hier hauptsächlich zu thun haben, erscheinen frisch unter dem Mikro¬ 
skope untersucht auf ihrer Oberfläche fein quergestreift, im Innern ganz ho¬ 
mogen, durchscheinend. Bald tritt aber eine Art Gerinnung in ihnen ein, 
wobei sie trüb werden. Zu dieser Zeit gelingt es noch nicht, irgend eine 
Theilung ihres Inhalts zu erkennen, Ueherlässt man sie aber längere Zeit der 
anfangenden Zersetzung durch die Luft, oder der Einwirkung auflösender 
Flüssigkeiten, so zerfällt der Inhalt in der Regel in ein Bündel feiner perl- 
schnurartiger Fäserchen, Fibrillen genannt, deren abwechselnd dickere und 
dünnere Stellen der Querstreifung an der Oberfläche der Primitivfasern zu ent¬ 
sprechen scheinen, ln selteneren Fällen dagegen zerfällt er in Scheiben, 
welche durch quere Theilung nach der Richtung der Querstreifen entstehen. 
Die meisten mikroskopischen Forscher glauben, dass diese Abtheilungen des 
Inhalts schon während des Lebens vorhanden seien, und nehmen deshalb 
entweder Fibrillen oder Scheiben als Bestandtheile der Primitivfasern an. 
Vielleicht sind auch beide Arten der Abtheilung präformirt, d. h. es sind im 
Muskelinhalt Körperchen in regelmässiger Anordnung enthalten, so dass sie 
Längs- und Querreihen bilden, und nach dem Tode je nach der Art des lö¬ 
senden Medium bald der Länge, bald der Quere nach verkittet bleiben. 
Die Nervenfasern sind viel feiner als die Muskelfasern, und verlaufen 
ohne Unterbrechung, selten sich theilend, vom Gehirn bis zu den Muskeln 
oder anderen Körpertheilen hin. Frisch sind sie glashelle Cylinder, in denen
        

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