Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Resultate der neueren Forschungen über thierische Electricität
Person:
Helmholtz, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39599/7/
Nim lassen sich auch elektromotorische Elemente aus drei oder mehr 
feuchten Leitern anordnen. Bilden wir einen leitenden Ring’ aus Schwefel¬ 
säure, Kalilösung und Wasser, so entsteht ein Strom, der vom Wasser zum 
Kali, von diesem zur Schwefelsäure und wieder zum Wasser zurückgeht. 
Mit solchen Strömen eines Systems feuchter Leiter haben wir es in den Mus¬ 
keln und Nerven zu thun. Da wir die Vertheilung der Ladung in feuchten 
Leitern noch nicht genügend kennen, sind wir eigentlich ausser Stande zu 
bestimmen, welches das positive und negative electromotorische Element sei. 
Es kommt bei der Ertheilung dieser Benennungen darauf an, an welcher Stelle 
wir die Strömungsrichtung untersuchen. Wir bezeichnen im Folgenden mit 
du Bois dasjenige Eiement als das positive, von dem aus die positive Elec- 
tricität in den Schliessungsbogen eintritt. In der obigen Kette aus Schwefel¬ 
säure, Kali, Wasser scheint es angemessen, die beiden ersteren Stoffe als die 
wirksamen Elemente, das Wasser als den indifferenten verbindenden Leiter zu 
betrachten. Die positive Electricitüt tritt aus der Schwefelsäure an das Wasser, 
wie in der oben beschriebenen Metallkette aus dem Zink, die negative dage¬ 
gen aus dem Kali, wie dort aus dem Kupfer, Demgemäss würden wir die 
Schwefelsäure als das positive electromotorische Element bezeichnen, das Kali 
als das negative. So viel über den Sinn dieser Ausdrücke. 
Soll ein electrischer Strom zu Stande kommen, so muss ihm immer ein 
ringförmiger in sich geschlossener Weg aus Stoffen, welche die Eiectricität 
leiten, geboten sein. Sind ihm mehrere Wege geboten, so schlägt er sie alle 
gleichzeitig ein, und theilt sich zwischen sie, so, dass auf dem, welcher die 
beste Leitung darbietet, der grösste Theil des Stromes kreiset, auf den Wegen 
von schlechterer Leitung dagegen kleinere Theile. Man nennt solche Ströme, 
denen mehrere gleichzeitige Bahnen freistehen, verzweigte Ströme. Geht ein 
Strom durch einen Körper von drei Dimensionen, so könnte er unendlich viele 
Wege von beliebiger Gestalt einschlagen. Die Grundsätze, aus denen bestimmt 
werden kann, auf welchen Linien die Eiectricität wirklich einen solchen durch- 
fliesst, sind von Kirchhof und Smaasen bestimmt worden, meist ist aber ihre 
Anwendung zu schwierig, um in den einzelnen Fällen die Rechnung durchzu- 
führen. Die Vertheilung der Ströme im Muskel bietet einen solchen Fall dar, 
doch ist es du Bois gelungen, Betrachtungsweisen aufzuünden, durch welche 
die Vertheilung der Ströme wenigstens so weit zu bestimmen ist, als man für 
das Verständniss der Versuche braucht 
Von den vielen wunderbaren Wirkungen, durch welche die galvanischen 
Ströme in der Physik und Industrie einen so ausgedehnten Einfluss gewonnen 
haben, ist namentlich eine für unseren jetzigen Zweck von Bedeutung, weil 
sie uns dazu dient, die kleinsten Spuren electrischer Strömung aufzufinden; 
das ist ihre Wirkung auf die Magnetnadel. Eine Drahtspirale, welche von 
einem electrischen Strome durchflossen wird, hat vermöge einer bisher noch 
unverstandenen Verkettung der magnetischen und electrischen Kräfte vollstän¬ 
dig die Wirkungen eines Magneten. Der Einwirkung einer solchen Drahtspi-
        

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