Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Resultate der neueren Forschungen über thierische Electricität
Person:
Helmholtz, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39599/12/
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selben electromoiorischen Gegensatz zwischen natürlichem Längsschnitt und Quer¬ 
schnitt wieder, wie an unserem Schema die künstlichen Schnitte darboten. Nur ist 
natürlich die Vertheilung der electromotorischen Kräfte bei der unregelmässi¬ 
gen Form und Structur solcher unverletzter Muskeln nicht auf einen so ein¬ 
fachen Plan zurückzuführen, wie das unseres cylindrischen Schema. Der na¬ 
türliche Längsschnitt pflegt dem künstlichen electromotorisch das Gleichgewicht 
zu halten, während der natürliche Querschnitt gegen den künstlichen zurück¬ 
steht, so dass bei leitender Verbindung derselben im Bogen ein Strom vom 
natürlichen zum künstlichen Querschnitt entsteht. Das beruht zum Theil wohl 
darauf, dass die Fasern sich nicht senkrecht gegen die Sehnenausbreitungen 
ansetzen, und daher am natürlichen Querschnitte nicht bloss die Querschnitte, 
sondern auch Theile ihrer Längsschnitte zu Tage liegen; ausserdem kommt 
hier noch ein andres später zu besprechendes Yerhaltniss in Betracht. 
Wenn die Muskeln eines Körpertheiles alle, oder doch die meisten und 
grössten von ihnen, vermöge der Anordnung ihrer Fleisch- und Sehnenmasse 
in derselben Richtung electromotorisch wirksam sind, so erscheint der ganze 
Körpertheil mit electromotorischen Kräften begabt zu sein, die eine bestimmte 
Richtung an ihm einhalten. Dieser Fall kommt heim Frosche vor. Enthäutet 
man einen noch reizbaren Frosch, und legt den leitenden Bogen so an, dass 
entweder das ganze Thier oder ein Theil von ihm in den Leitungskreis auf¬ 
genommen wird, so entsteht ein Strom, der im Thiere die Richtung von den 
Füssen zum Kopfe einhält. Dieser sogenannte Froschstrom ist es, der zuerst 
von Nobili am Mulliplicator erkannt, und von Matteucci weiter untersucht 
wurde. Beim Frosche ist die Beständigkeit in der Richtung dieses Stroms 
von den Füssen zum Rückenmark und Gehirn hin auffallend, aber sie ist nur 
zufällig, und findet sich bei den meisten Thieren nicht wieder. Sie schien 
eine geheimnissvolle Beziehung dieses Stroms zu den Functionen der Central- 
theile des Nervensystems zu verrathen; dadurch wahrscheinlich liess sich 
Matteucci verleiten, den Froschstrom von dem der einzelnen Muskeln, dem 
sogenannten Muskelstrom trennen zu wollen. Die ersten Zeichen des letzte¬ 
ren fand er ungefähr gleichzeitig mit du Bois; aber diesem bleibt jedenfalls 
das nicht zu bestreitende Verdienst ; sogleich die Identität von Frosch- und 
Muskelstrom erkannt und die Gesetze gefunden zu haben, von denen die 
Stromesrichtung abhängt, während sie seinem Gegner erst sehr viel später 
klar zu werden anfingen, zu einer Zeit, wo er erweislich die betreffende Ab¬ 
handlung von du Bois schon kannte. Dass die Nerven nach demselben 
Gesetze wie die Muskeln electromotorisch sind, wurde ebenfalls von du Bois 
gefunden. 
Die beschriebenen eiectromotorischeri Kräfte finden sich in allen Muskeln 
und Nerven aller Thiere, so lange sie ihre Reizbarkeit bewahren, und sind 
im Allgemeinen desto stärker, je frischer und reizbarer die Theile sind. So¬ 
bald die Muskeln todtenstarr werden, was von der schon oben erwähnten 
Gerinnung ihres Inhalts abhängt, verschwindet die letzte Spur ihrer electrischen 
Allgem. Monatsschr. f. JFiss. u. Lit. April 1852. 39
        

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