Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Resultate der neueren Forschungen über thierische Electricität
Person:
Helmholtz, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39599/1/
Die Resultate der neueren Forschungen über 
thierische Electricität. 
Die Grundlage der äusseren Körpergestalt des Menschen und der Wirbel- 
thiere bilden die in einander gelenkten knöchernen Th eile des Skeletts. An 
den Knochen sind zunächst die Muskeln befestigt, starke elastische Fleisch¬ 
bänder, welche die Hauptmasse der Gliedmassen und der Rumpfwände bilden. 
Deren wichtigste Eigenschaft ist die Veränderlichkeit ihrer elastischen Span¬ 
nung, weil sie dadurch in den Stand gesetzt werden, den knöchernen Stützen 
des Körpers die verschiedensten Stellungen gegen einander zu geben. Denn 
letztere folgen jedes Mal, so weit es die Construction ihrer Gelenke erlaubt, 
dem Zuge derjenigen sie umgebenden Muskeln, deren Spannung zur Zeit 
überwiegt. In der Tiefe der Glieder, wohl geschützt vor allen äusseren Ein¬ 
griffen und Verletzungen, verlaufen von jedem Muskel aus verhältnissmässig 
winzige weisse Fädchen, die Nerven, bis zum Gehirn, dem Sitz des bewussten 
Willens. Aber trotz ihrer unscheinbaren Grösse sind sie es, welche die mäch¬ 
tigen mechanischen Wirkungen der Muskeln vermitteln, sie bilden den Weg, 
auf welchem der geheimnisvolle Einfluss des Willens vom Gehirn zu den 
Muskeln sich hin erstreckt, diese spannt oder abspannt, stark oder schwach, 
blitzschnell oder dauernd, einzeln oder in Gruppen, und dadurch die unend¬ 
lich mannigfaltigen, stets wechselnden Stellungen und Bewegungen des Kör¬ 
pers zu Stande bringt Den vorläufig noch unbekannten Einfluss, vermöge 
dessen die Nerven die Spannung der zugehörigen Muskeln hervorrufen, nen¬ 
nen wir die Innervation. Um eine Anschauung von der Grösse der dadurch 
erregten mechanischen Kräfte zu geben, führe ich als Beispiel an, dass der 
Wadenmuskel eines Mannes während seiner Innervation einen Zug von nicht 
weniger als drei Centnern auf das Fersenbein ausübt. Durchschneiden wir aber 
die Nervenfädchen eines solchen Muskels, pressen wir sie oder schnüren sie mit 
einem Faden zusammen, so verfällt der mächtige Bewegungsapparat in Unthätig- 
keit, keine Anstrengung des Willens kann ihn mehr aus seiner Erschlaffung er¬ 
wecken, er ist zu ewiger Ruhe verdammt, wenn nicht etwa ein günstig ver¬ 
laufender Heilungsprocess die Integrität des leitenden Nervenfadchens wieder 
herstellt. Wir nennen die Nervenfäden, welche den Einfluss des Willens zu 
den Muskeln hinleiten, motorische oder Bewegungsnerven. Es giebt 
noch eine andere Klasse derselben mit nicht weniger wunderbaren und wich-
        

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