Bauhaus-Universität Weimar

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6. Elekfrophysiologie. — Matteucci, 
unendlich kleinen Zeiteinheit; welches Integral gleich Null ist, so 
lange die Stromdichte beständig verharrt, und, damit merkliche 
Zuckung stattfinde, zwischen gewissen Zeitgrenzen einen gewissen 
Werth erhalten mufs. 
Der Flächenraum der Curve der Stromdichte mifst natürlich 
auch die Elektricitätsmenge, welche in der Zeiteinheit durch den 
Nerven geht. Es hat demnach, wie ich schon anderwärts1 zu 
wiederholtenmalen auseinandergesetzt habe, gar keinen Sinn, nach 
einer Beziehung zwischen der Elektricitätsmenge und der Stärke 
der dadurch hervorgebrachten Zuckung zu fragen. Dieselbe Elek¬ 
tricitätsmenge kann die allerverschiedensten physiologischen Wir¬ 
kungen erzeugen, je nachdem man die Curve der Stromdichte 
bezogen auf die Zeit verschieden gestaltet; und umgekehrt die¬ 
selbe physiologische Wirkung kann die Folge des Durchganges 
der verschiedensten Elektricitätsmengen durch den Nerven sein, 
wenn man dem obigen Gesetze nach dieselbe Elektricitätsmenge 
gehörig nach Ordinate und Abscisse vertheilt. 
Noch thörichter erscheint das Unternehmen des Hrn. Mat¬ 
teucci, ein elektrochemisches Aequivalent der elektrischen Muskel¬ 
zusammenziehung zu bestimmen, wenn man seine Aufmerksamkeit 
auf den zweiten oben angedeuteten Punkt richtet. 
Die Physiologen pflegen zu lehren: es gebe in der Natur 
drei Arten der Wirkung von Körpern auf Körper. Erstlich die 
mechanische, wobei sich Bewegungszustände übertragen; zweitens 
die chemische, von Veränderungen der Qualität begleitete, zwi¬ 
schen kleinsten Theilen stattfindende; endlich drittens die in der 
organischen Natur obwaltende, die man mit dem Namen der 
Reizung zu bezeichnen pflegt. Diese soll darin bestehen, dafs 
das Ursächliche nur eine Qualität des erregten Organischen zur 
Erscheinung bringt, die dem Wesen nach unabhängig ist von der 
Art der Ursache. Also ich brenne, quetsche, betupfe mit Kali¬ 
hydrat, galvanisire einen Nerven: immer erfolgt Zuckung, immer 
erfolgt Schmerz. Dies seien Reize, dies eine Wirkungsweise, 
wozu in der organischen Natur kein Seitenstück gefunden werde. 
Diese Lehre geht nicht auf den Grund der Dinge. Es giebt 
Bd 505» II. 1846. S. 446; — Untersuchungen
        

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