Bauhaus-Universität Weimar

404 
6. Elektropbysiologie. 
wenn man einen lange Zeit in dem Muskelnerven unterhaltenen 
aufsteigenden Strom 1 unterbricht. Hr. Matteucci giebt sich für 
den Entdecker dieser merkwürdigen Erscheinung aus. Ich habe 
indefs schon im vorjährigen Bericht S. 442 ff. erinnert, dafs die¬ 
selbe bereits im Jahre 1798 von Ritter entdeckt, nach allen 
Richtungen ergründet, und seitdem vielfach von Andern bestätigt 
worden ist; wie sie sich denn auch in Jon. Müllers Handbuch 
der Physiologie, dessen französische Uebersetzung in Hrn. Mat- 
teucci’s Händen ist, dargelegt findet. Folgendes sind die neuen 
Einzelheiten, welche Hr. Matteucci in der vorliegenden Abhand¬ 
lung beibringt. 
1. Der Tetanus beim Abbrechen des aufsteigenden Stromes 
lasse sich auch am lebenden Frosch erzeugen, nur daure der 
Tetanus kürzere Zeit. 
2. Der Tetanus fehle, wenn man den Strom auf die Mus¬ 
keln allein einwirken lasse. 
Hrn. Matteucci’s Versuch hierüber ist jedoch nichts weniger 
als entscheidend. Die Anordnung, deren er sich für gewöhnlich 
bedient, ist nämlich die, wobei ein in der Längsmittelebene des 
Beckens gehälftetes GALVANi’sches Präparat mit beiden Füfsen 
rittlings in zwei Gefafse taucht. Die beiden Schenkel hängen also 
nur noch durch die Ischiadgeflechte und das beiden gemeinschaft¬ 
liche Stück Wirbelsäule zusammen. Es ist also der Strom der 
15 20gliederigen FARADAv’schen Säule, die Hr. Matteucci zu 
diesen Versuchen anwendet, da sie doch ebensowohl mit der 
einfachen Kette gelingen, in der Strecke seiner Bahn zwischen 
den Oberschenkeln und dem Stücke Wirbelsäule auf die Nerven 
allein als Leitung angewiesen. Um nun blofs die Muskeln dem 
Strome auszusetzen, verfährt Hr. Matteucci in der Art, dafs er 
einfach das Becken unversehrt läfst, es nicht, wie vorher, in der 
Schambeinfuge spaltet. Allerdings wird jetzt die Stromstärke, 
wegen des Wegfallens des Widerstandes der Nerven, eine be¬ 
trächtlichere sein. Nichtsdestoweniger vermifst man den Beweis, 
afs die Dichtigkeit des Stromes, die Stromstärke dividirt durch 
en Querschnitt, worauf es bei allen physiologischen Wirkungen 
de! Strom ” d.e" n'T ner A“sdrücke » aufsteigender ” und „ absteigen¬ 
der Strom , Bert. Ber. S. 540; _ Untersuchungen S. 305.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.