Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Pianoforte in seinen akustischen Anlagen
Person:
Hansing, Siegfried
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39581/87/
Schwingungssystem der tönenden Klaviersaite. 
79 
wodurch die lebendige Kraft aufs neue geschaffen und der 
Stab abermals aus seiner Gleichgewichtslage gebracht, dem 
Punkte b zugeschleudert wird. Auf diese Weise ist der Stab 
imstande, eine Zeitlang Querschwingungen zu unterhalten, bis 
sich beide Kräfte gegenseitig so geschwächt haben, daß ein 
dauernder Stillstand in der Gleichgewichtslage des Stabes ein- 
tritt, der nur durch äußere Einwirkung gehoben werden kann. 
Wenn die Stärke der Federkraft der Steifheit des Stabes ent¬ 
spricht, so wird die lebendige Kraft durch die Biegsamkeit 
des Stabes bedingt, also daß, je biegsamer der Stab, je schwächer 
die Federkraft, und je steifer der Stab, je weniger die lebendige 
Kraft in ihm auf komm en kann. Einige Physiker nennen die 
Querschwingungen eines solchen Stabes oder auch die der 
Stimmgabel, weil sie der äußeren Form nach pendelartig sind, 
Pendelschwingungen; jedoch dürfen wir diesen Ausdruck der 
Irrung wegen nicht gebrauchen. Bei einer Pendelschwingung, 
wie z. B. bei dem Pendel der Uhr, könnte die Schwingung 
noch so schnell sein, sie würde, da sie keine Reibung der 
Materie in den Körper hervorbringt, diese nicht zum Laut¬ 
werden veranlassen, dahingegen kann, wie ich dieses im ersten 
Kapitel hervorgehoben habe, z. B. ein Baum, der vom Winde 
hin und her bewegt wird, bei sehr langsamem Hin- und Her¬ 
schwingen, durch die Reibung seiner Materie laut werden. 
Bei den Querschwingungen einer Klaviersaite finden wir 
mit nur geringer Änderung dieselben Eigenschaften, wie ich 
diese bei den Experimenten des Stabes vorgeführt habe, wieder 
vor, und werde ich das noch Fehlende zu ergänzen suchen. 
Fassen wir eine Klaviersaite in ihrer Mitte und ziehen sie 
aus ihrer Gleichgewichtslage nach aufwärts, so fühlen wir auch 
hier die Federkraft, die sich aber von der des Stabes dadurch 
unterscheidet, daß sie aus der Längendehnung der Saite her¬ 
vorgeht. Die gerade Linie ist kürzer, als die krumme Linie 
und da die Saite in ihrer Gleichgewichtslage schon sehr kräftig 
gedehnt ist, so daß sie die Längenzugabe für die gebogene 
Linie nicht aus ihrer natürlichen Länge entnehmen kann, so 
müssen sich beim Schwingen der Saite, sobald sie aus ihrer 
Gleichgewichtslage tritt, die Moleküle des Körpers in der 
Längenrichtung der Saite dehnen. Aus dieser Ausdehnung
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.