Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Pianoforte in seinen akustischen Anlagen
Person:
Hansing, Siegfried
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39581/35/
Klang und Ton. 
27 
beruht die Kunst, die eigene Empfindung durch Vortrag, sei 
dieser nun theatralisch oder musikalisch, auf andere Personen 
zu übertragen. Mag immerhin eine derartige, ich will sagen 
Mitempfindung, ein Teil geistiger Auffassung sein, so kommt 
diese bei dem Gefühlssinn des Ohres nicht stärker in Anwendung, 
wie bei dem materiellen Gefühl; z. B. die wohlige Empfindung, 
die wir bei der Liebkosung eines Kindes haben, beruht wohl 
ganz auf einer solchen geistigen Auffassung. Der ausübende 
Künstler findet die wahre Kunst nicht allein in den Abwechs¬ 
lungen der Tonhöhen, sondern weit mehr in der Vortragsweise 
des Charakters. Die Intervalle können in ihrem Wechsel wohl 
ein angenehmes Tonfarbenspiel geben, die Klangwirkung 
aber, die wir aus den direkten Stößen erhalten, erweckt 
erst die wirkliche Empfindung für das Gehörte; aus diesem 
Grunde ist der Klangcharakter ein so wichtiger Faktor 
für die Musik geworden. Auch bei den einzelnen 
Instrumenten liegt der Hauptwert immer in dem Klange 
des Instrumentes, und hiernach wird auch der Kunstwert 
gemessen. 
Die Unterscheidung des Klanges von dem Tone tritt besonders 
klar bei einem Piano hervor. In der Pianofabrikation gibt es 
zwei Fächer, bei denen das eine von dem Stimmer und das 
andere von dem Intoneur vertreten wird. Der Stimmer beschäftigt 
sich ausschließlich mit den Tönen, er sucht möglichst genau 
aus dem Zusammentreffen der Stöße das Intervall der verschiedenen 
und auch der gleichen Töne zu regulieren. Z. B. um die drei 
Saiten, die einen Chor bilden, genau und übereinstimmend zu 
haben, müssen die Stöße des Tones der drei Saiten genau 
ineinander fallen, und hiernach sind auch die Zwischenpausen 
oder das Intervall der Stöße von allen drei Saiten gleich. 
Dahingegen befaßt sich der Intoneur ausschließlich mit der 
Qualität des Klanges Es büßt nun ein guter Stimmer durchaus 
nichts von seiner Geschicklichkeit ein, wenn er ein weniger 
guter Intoneur ist; der beste Intoneur braucht durchaus kein 
Stimmer zu sein. Beschäftigt sich letzterer mit den Intervallen 
der Klänge, so hat ersterer nichts mit diesen zu tun. Der 
Stimmer bearbeitet keinen Stoff, die Bearbeitung des Stoffes 
fällt ausschließlich dem Intoneur zu.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.