Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Pianoforte in seinen akustischen Anlagen
Person:
Hansing, Siegfried
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39581/233/
Raum-Akustik. 
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Londoner Kollosseums stellte, eines runden Gebäudes von 130 Fuß 
Durchmesser, fand er, daß ein von ihm gesprochenes Wort 
oftmals wiederholt wurde. Ein einfacher Ausruf klang wie ein 
schallendes Gelächter, während das Zerreißen eines Stückchens 
Papier einem Hagelwetter glich.“ 
Jedem von uns wird es verständlich sein, daß die .Klang¬ 
wellen nicht ohne einen besonderen Vorgang, z. B. durch eine 
Wand dringen können. Eine ähnliche Erscheinung finden wir 
auch bei den Lichtwellen, und mit Hülfe dieser will ich 
versuchen, dem Tatbestand näher zu treten. Wie kommt es, 
daß wir Gegenstände, die sich z. B. bei unseren Fenster¬ 
scheiben auf der Lichtseite des Glases befinden, auch auf der 
Schattenseite desselben zu Gesicht bekommen? Durch einen 
so dichten und festen Körper, wde das Glas, können die Licht¬ 
wellen ebenso wenig dringen als z. B. durch ein Brett, und 
ebenso wenig wie Lichtwellen durch ein Brett, können auch 
Klangwellen hindurch kommen. Nun besitzt aber die Materie 
des Glases die Eigenschaft, Lichtwellen begierig aufzunehmen. 
Aber kann das Glas Lichtwellen, da die Welle an und für sich 
nicht Materie ist, in sich aufnehmen? Es ist also weit richtiger 
gesagt, ein Glaskörper besitzt die Eigenschaft, Lichtwellen mit 
Hülfe seiner Materie, weil diese auf die elektrische Beschaffenheit 
der Lichtwellen eingeht, in sich aufzunehmen und auf der Schatten¬ 
seite auszustrahlen. Nach Annahme der Wissenschaft durchdringt 
der Lichtäther alle Gegenstände, so daß hierdurch das Licht 
mehr oder weniger durch alle Körper dringen kann. Diese 
Annahme mag auch teilweise ihre Berechtigung haben, aber, 
da Eisenblech poröser, als Glas ist, so müßte der Lichtstrahl 
eher durch Eisenblech, als durch Glas dringen können. So 
finden wir denn, daß wir die Eigenschaft des Glases, Licht¬ 
wellen fortzuflanzen, ganz besonders in der Eigenheit der 
Materie des I^örpers zu suchen haben. Freilich trägt auch die 
Beschaffenheit der Glätte oder der Politur, die das Glas durch 
und durch besitzt, dazu bei, die Lichtwellen in der größten 
Vollkommenheit zu erhalten, um so das Spiegelbild auf der 
Schattenseite herzustellen; aber es gibt ja auch andere Körper, 
z. B. den Feuerstein, der diese Glätte besitzt, ohne sich hier¬ 
durch in der Eigenschaft des Glases zu äußern. Hören wir 
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