Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Pianoforte in seinen akustischen Anlagen
Person:
Hansing, Siegfried
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39581/221/
Fortpflanzung des Klanges im Luftkörper. 
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Menschenknäuel in Berlin vor dem Opernliause gestanden und 
mit Ungeduld auf den Augenblick der Erlösung von dieser 
Plage und auf Eröffnung des Heiligtums gewartet. Es geschah 
regelmäßig, daß einige junge Leute einen Zeitvertreib darin 
suchten, den zusammengedrängten Haufen von Menschen in 
schaukelnde Bewegung zu setzen. Derjenige nun, der in 
diesem Menschenknäuel stand, war willenlos an diese Be¬ 
wegung gebunden. Es war eine Woge, die stets in sich 
zurückkehren mußte; jedoch von einem Stoß des einen Nach¬ 
bars auf den nächstfolgenden ist hierbei nichts zu bemerken, 
denn durch das eng aneinander Schließen ist die Möglichkeit 
eines Stoßes verhindert worden. 
Ein anderes Beispiel aus dem englischen Werke Tyndall’s 
entnommen, lautet in Übersetzung folgenderweise: „Eine sehr 
belehrende Illustration der Fortpflanzung des Klanges wird 
durch einen Apparat veranschaulicht, welcher von meinem 
Assistenten Mr. Cottrell hergestellt wurde. Er besteht aus 
einer Anzahl von Holzbällen, welche durch Spiralfedern von 
einander getrennt sind. Wenn wir den Knopf A stoßen, so 
wirkt ein Stößer, der mit dem Knopf A verbunden ist, auf den 
Ball B ein, der seine Bewegung nun auf den Ball C über¬ 
trägt, und von diesen auf Ball D und so fort durch die ganze 
Reihe der Bälle, bis der letzte auf eine Holzwand oder auf 
eine Glocke stößt. Hierbei wird die Elastizität der Luft durch 
die Spiralfedern illustriert, und das Zeitmaß für die Bewegung 
der Bälle kann so langsam gewählt werden, daß man das 
Experiment mit den Augen verfolgen kann.“ 
Die Elastizität der Luft vermittels Spiralfedern und da¬ 
zwischen liegenden Holzbällen illustrieren zu wollen, ist doch wohl 
ein wenig komisch zu nennen; der Luftkörper besitzt erstens 
nicht die leiseste Spur einer solchen springenden Elastizität 
und zweitens hat man im Luftkörper noch keine sichtbare 
oder fühlbare Klangbewegung wahrnehmen können. Wenn 
letzteres der Phantasie auch weiten Spielraum läßt, solchen 
absurden Ideen sollte man nicht nachgehen. Tyndall fährt 
dann folgendermaßen fort: 
„Die naturwissenschaftliche Bildung lehrt uns sowohl das 
Sichtbare als auch das Unsichtbare in der Natur erkennen;
        

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