Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Pianoforte in seinen akustischen Anlagen
Person:
Hansing, Siegfried
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39581/166/
158 
Das Pianoforte in seinen akustischen Anlagen. 
Verständnis für Mechanik entwickeln, jeden Fehler erkennen 
und den Mechanikus hierauf aufmerksam machen können, jede 
Nachlässigkeit an der Arbeit aber zu rügen verstehen. Es 
gibt nur wenige Pianofabrikanten, die den Bedarf an Mechaniken 
in ihrer eigenen Fabrik anfertigen lassen. Selten wird hierbei 
etwas Besseres erzielt; sie haben aber den Nachteil, sich die 
Verbesserungen, die andere Mechanikfabrikanten erdacht und 
die durch Patente geschützt sind, nicht zunutze zu machen. 
Setzen wir das Tafelklavier, welches schon heute durch 
das Pianino so verdrängt worden ist, daß es in keinem Lande 
mehr existenzfähig bleibt, bei seite, so haben wir es nur noch 
mit der Flügel- und Pianinomechanik zu tun. Beide Mechaniken 
sind dadurch ganz verschieden von einander geworden, daß 
nach der Lage der Saiten, die beim Flügel horizontal liegen 
und bei dem Pianino senkrecht stehen, das ganze Wesen der 
Mechanik hat eingerichtet werden müssen. Für die Flügel¬ 
mechanik wird auch Leute noch vorzugsweise, wenn wir 
nicht sagen wollen ausschließlich, das Repetitionssystem von 
Sebastian Erard, der im Jahre 1826 mit einem solchen zuerst 
in Paris an die Öffentlichkeit trat, beibehalten. Im Laufe 
der Zeit ist an der ursprünglichen, von Erard hergestellten 
Mechanik einiges geändert und für die Elastik des Hammer¬ 
stiels gebessert worden. Im besonderen war es Henri Herz in 
Paris, der unter Beibehaltung der Erard’schen Prinzipien die 
Mechanik vereinfacht hat. Bis heute haben die Flügelfabri¬ 
kanten diese von Henri Herz umgestaltete Erard-Mechanik im 
Gebrauche beibehalten. Wohl ist der Eifer der Fabrikanten 
durch das Prinzip von Erard geweckt und angeregt worden, 
sodaß zahlreiche Repetitionsmechaniken entstanden sind, die 
sich aber der Erard-Mechanik gegenüber nicht lange halten 
konnten und daher nur kurze Zeit in Anwendung kamen. 
Freilich dem unruhigen Geiste der Pianofabrikanten genügt 
auch die Erard-Herz-Mechanik nicht voll, man ist daher fort¬ 
während auf der Suche, Verbesserungen an ihr zu ersinnen. 
Einigen Mechanikfabiikanten ist es in der Tat gelungen, die 
frühere ^Elastizität der Repetierfeder_der Erard-Mechanik, die 
bei der Herz’schen Änderung nicht voll erreicht wurde, wieder 
herzustellen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.