Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Pianoforte in seinen akustischen Anlagen
Person:
Hansing, Siegfried
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39581/149/
Guß eis enr ahm en. 
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schon mitgeteilt, durchschnittlich gerechnet, mit 17000 bis 
18000 kg angenommen werden. Somit ist die Zugkraft an 
einem Piano in einem Zeiträume eines Jahrhunderts nahezu 
um das Vierfache gestiegen. 
Die Stifte, an denen die Saiten mit ihren Schlingen oder 
Ösen befestigt werden, im Pachausdrucke Anhängestifte ge¬ 
nannt, fanden bei dem Wachstume der Zugkraft in dem Holze 
des Anhängestocks keinen gesicherten Halt mehr. Streicher 
in Wien versah den Anhängestock auf seiner Oberfläche mit 
Eisenblech, sodaß hierdurch die Anhängestifte mehr Wider¬ 
stand für den Zug der Saiten fanden. Da hierbei der hintere 
nicht klingende Saitenteil seine übermäßige Länge beibehielt, 
wodurch, bei der größeren Versteifung des Resonanzbodens, die 
Saiten zu schwachen Druck auf ihn ausüben konnten, wurde, 
um dem Übelstand abzuhelfen, eine Eisenplatte auf den An¬ 
hängestock geschraubt, an der für Pianinos ein Winkelstück, 
Schuh genannt, durch Vernietung befestigt wurde; von dem 
Winkelstück kam ein Winkellappen des Schuhes unterwärts 
der Sohle der Rast zu liegen und wurde hier mit der Rast 
verschraubt. Diese Eisenplatte ragte über den Anhängestock 
hinaus, und man war imstande, die Saiten hinter dem Resonanz¬ 
steg nach Belieben kurz zu halten. Auch diese Einrichtung 
brachte einen Übelstand mit sich, der darin bestand, daß der 
schwebende Teil der Eisenplatte leicht in Schwingungen geriet, 
wobei ein klimpernder Klang entstand, und da außerdem der 
Widerstand der Eisenplatte nicht voll genügen wollte, suchte 
man sie durch Eisenstützen zu versteifen. Alle Verstärkungen, 
insbesondere die durch Eisenverspreizung, die von der Eisen¬ 
platte aus mit dem Stimmstock verbunden wurden, konnte der 
heutigen Zugkraft der Saiten nicht widerstehen. Man fand die 
Spreizen nicht selten in ihrer Befestigung gelöst und. aus ihrem 
Stand verschoben; erst bei Anwendung des Gußeisenrahmens 
erhielt der Bau des Pianoforte seine volle Stabilität. Der 
Gußeisenrahmen mit seiner mächtigen Verspreizung ist imstande, 
die volle Zugkraft der Saiten auf sich zu nehmen. Wenn bei 
der früheren Anhängeplatte stets ein Übergewicht der Zug¬ 
kraft am Rast erkennbar war, von dem auch der Resonanz¬ 
boden seinen Anteil bekam, so ist bei dem heutigen Gußeisen-
        

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