Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Gesangskunst (Fortsetzung). Reprint der Ausgabe Leipzig 1865.
Person:
Seiler, Emma
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39579/3/
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beë Slthemë, baê ©leid)* ober Ungleichmäßige ber ©cpmingun» 
gen, bie berfcpiebene Klangfarbe ter £ône u. f. m. erlernten 
muß. ÜDa aber alle ïecpnif, fo notpmenbig fie aud) alê ©runb* 
läge ift, etmaë STobleS bleibt, trenn fie niept bon@eift unb@e* 
füpl burcpmept ift, fo muß ein ©efangleprer and) mit ber fein* 
ften ©mpfinbung für alleë ©d)öne unb $ope in ber Kunft be* 
gabt fomie ein in feber £>inficpt gebilbeter Vlenfcp fein, menn 
ipm eine maprpaft fünftlerifcpe Sluëbübung feiner ©cbüler ge* 
lingen foil. SDie gut gefaulte ©timme foil ja nur alê ÏRittel 
betrachtet merben, ben ebelfteu unt mannigfattigfien ©rnpfin* 
bungen. Sluëbrud ju geben. 3uerÜ nxiiffen mir alfo 9D7epr bon 
ten ©efangleprern berlangen unt borficptiger bei ihrer SBapl 
ju Söerfe gepen, epe mir beffere ©efangëfünftler ermarten 
bürfen. — 
(©#Iu§ folgt.) 
Kammer= unö ^ausmuftü. 
gür baë pianoforte. 
fttdjjarö JUepilorff, ©p. 1. Seeps ©fatwrftücüe. Seip3ig, 0. 
©cpubertp. 
©iefeë bem Sïnbenîen Robert ©cpuntunn’ê gemibmete 
©rftlingêmerf befunbet in bereite .beacptenêmertpem ©rabe 
Vegabung unb ernfteê ©treben unb ift auch infofern nicht un* j 
geeignet unfer Sntereffe ju ermeden, alê baffelbe einen cparaf* ] 
teriftifcpen ©inblid in bie partnädigenKämpfe gemährt, melcpe 
fo mancher junge ©cmpouift — jumal in ber 9îupelofigfeit ber 
jetzigen, non normaler Ourcpbilbung bietfach ablenfenben 3eit 
— mit gorm unb ©toff ju beftehen hat. ©o ift ber ©omponift 
bor Sittern in 23ejug aufSlnlage (ob in bergolge ber SBibmung 
mit ober ohne Slbficpt?) nod) ganj in©cfeumann’fchen©igen= 
heiten befangen, aucp mieberhoten fich bieSDlotibe in rphtpmifd)er 
SSe^iehung oft noch mit 3U ermübenbçr ©tetigfeit. Oie ©rfin* 
tung ergießt fid) nod) nicht mohlthuent unt frei genug auë 
bem ©elfte perauê fonbern fd>eint am ©labier entmidelt, meê* 
halb mir bem Verf. rathen möd)ten, fid) in feine ©ebanfen im 
■öntereffe ursprünglicheren ©rguffeë — mopl ober übel — 
hinein juffingen anftatt hinein 311 fpielen. Oiefeé Mittel, 
über beffen Vortreffliddeit fich bebeutenbe ©eifter übereinftim* 
ment auëgefprocpen haben, medt ten urmücpfigen $ug ber ©nt* 
pfinbttng — bie innere ©eelentpätigfeit — ben Orang 3U 
©teigerungen unb ©ulminationen nad) unb nach in biel höhe* 
rem ©rabe, alê bieë bie Ringer am ©labier bermögen. Slucp 
erfcheint noch größere Verfeinerung beë ©efüplê münfdjené* 
merth, ûticpt nur megen oft 3U ftetigen SBeiterfcpiebenë ber 
rhhthmifd)en, fontern auch ^er melobifchen ^prafen, ferner me* < 
gen 3U großer greigebigfeit mitOctabenoerftärfungen fomcl im j 
Vaß alê in ber 9Q7elobie, unb enblid) in Ve3ug ber ©nharmonif, | 
mit melcher ber Verf. überhaupt noch in argem Kampfe liegt i 
unb burep enparmonifcp berfeprte 9?ctirungen (b mo ©rpö* ! 
pungen mo ©rniebrigungen ftepen feilten ober umgeïehrt) bem 
Spieler baë Sefen mirflicb recht bertießlid) erfchmert. hierbei 1 
barf auch bie 9)?arotte nicht gan3 ungerügt bleiben, baë ïeÇte j 
in ©eëbur ftehenbe ©tüd ohne Vo^eicpnung in bie 2Belt 3U ' 
fehiden, meëpalb baffelbe (©nabe bem armen ©teeper !) bon 
Veen unb Ooppel*Veen mimmelt. Slufmunternbe Slnerfennung 
berbient jebenfallë baë ©treben beë Verf. nach Oarftellung 
beftimmter Objecte; er meiß maë er mill unb geht auf ein be* 
ftimmteë 3iel loê, jebeë ©tüd ift ein in fid) bereite abgefchlof* 
feneë Vilb unb enthält mancpeë SBoplgetrcffene unb richtig 
©mpfunbene neben sumeilen aüerbingë noch unmotibirten Vir* 
tuofemißprafen. S° fd)eint unö 3. V. baë grollenbe Vaßmotib 
in 97r. 2 nur auë Verfehen in biefe 97ummer „Slbenbläuten" 
anftatt in bie folgenbe ,,-3d) grolle nicht" geraden 3U fein, 
©egenüberbielenfehr fd)maalt 
ober füprt fie burep ein fôrmlicpeê Sabprintp bon palben Oönen, 
berminberten Slccorben, ^Durchgängen unb Vorpalten. — ®aë 
©elungenfte unter allen ©tüden ift unftreitig bie ^jeine’fcpe 
ironie, ©ë ift mit föftlicpem önmor angelegt unb am £eicpte* 
ften auêfüprbar, mirb baper borauëfidjtlicp balb beliebt merben. 
97äcpftbem ift baê SBinterlieb anmutpig erfunben unb recht mir!* 
fam gefteigert, nur merben bie cproniatifd)en gortrüdungen 
bei „fie meiß niept" immer ein menig nad) Oprenquintenfolgen 
Hingen, menigftenê baê 3meite 937at, mo fie etmaë munberbar 
naep © bur fpringen unb fid) in einem faum 3U treffenben h, d, 
pod) ais gipfeln. Oiefeê eineVeifpiel bon ©cpmierigfeitenmag 
für biele anbere genügen. Sind) baë lefcte Sieb „9CRär3nac6t" 
entpält feine 3üge unb ©epattirungen, nur baë £>afiëlieb pät* 
ten mir tro(3 fdjmungboKer unb meift gemanbter ©onception 
etmaë poetifdper im Sluëbrud gemünfd)t. — gebenfallë mirb 
fid) 9?ef. im ^sinblid auf ben fünftlerifcp en SBertp biefer ©e= 
fänge freuen, menn niept -nur ber, auch baë ©djmerfte ermög* 
licpenbe Wiener 907ännergefangberein, bem biefelben gemibutet
        

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