Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs (Inaugural-Dissertation) [Reprint der Ausgabe Berlin 1908]
Person:
Musil, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39540/99/
Seite, welche für uns wichtig ist; unsere Nachbildungen 
sind immer Abstraktionen1) ,,weil eine Regel, welche aus 
der Beobachtung von Tatsachen gewonnen wird, nicht die 
ganze Tatsache in ihrer unerschöpflichen Mannigfaltigkeit 
fassen, sondern nur eine Skizze der Tatsache geben kann, 
einseitig dasjenige hervorhebend, was für den technischen 
oder wissenschaftlichen Zweck wichtig ist. So hat man 
z. B. am Hebel zuerst die Gewichte und Arme, dann die 
statischen Momente usw., endlich die Gewichte und die 
Zugrichtungen in Bezug auf die Axe als gleichgewichts¬ 
bestimmende Umstände ins Auge gefaßt, und demnach die 
Gleichgewichtsregeln gebildet.”“) Mit anderen Worten: 
,,Die fortschreitende Verschärfung der Naturgesetze die 
zu nehmende Einschränkung der Erwartung entspricht 
einer genaueren Anpassung der Gedanken an die Tat¬ 
sachen. Eine vollkommene Anpassung an jede indivi¬ 
duelle, künftig auftretende, unberechenbare Tatsache ist 
natürlich unmöglich. Die vielfache, möglichst allgemeine 
Anwendbarkeit der Naturgesetze auf konkrete tatsächliche 
Fälle wird nur möglich durch Abstraktion,'’’) durch Ver¬ 
einfachung, Schematisierung, Idealisierung der Tatsachen, 
1) M. 523. 
2) M. 79. Vgl.: „In der Regel ist eine besondere Seite oder 
Eigenschaft der Tatsache von praktischem Interesse. Auf diese 
Eigenschaft beschränkt sich die Untersuchung. Tatsachen, welche in 
dieser übereinstimmen, werden als gleich oder gleichartig, welche 
sich in derselben unterscheiden, als verschieden behandelt. Das prak¬ 
tische Bedürfnis treibt also zur Abstraktion“. (W. L. 452.) „Die 
maßgebende Rolle der Abstraktion bei der Forschung liegt auf der 
Hand. Es ist weder möglich, alle Einzelheiten einer Erscheinung zu 
beachten, noch hätte dies einen gesunden Sinn. Wir beachten eben 
die Umstände, die für uns ein Interesse haben und diejenigen, von 
welchen erstere abhängig zu sein scheinen. Die erste Aufgabe, die 
sich dem Forscher darbietet, ist es also, durch Vergleichung ver¬ 
schiedener Fälle alles, wovon das Untersuchung unabhängig scheint, 
als für den vorliegenden Zweck nebensächlich oder gleichgültig aus¬ 
zusondern. In der Tat ergeben sich die wichtigsten Entdeckungen 
durch diesen Prozeß der Abstraktion“. (E. u. J. 135.). 
3) „In dem ökonomischen Schematisieren der Wissenschaft 
liegt“ also „die Stärke oder auch der Mangel derselben. Die Tat¬ 
sachen werden immer mit einem Opfer an Vollständigkeit dargestellt, 
nicht genauer, als dies unseren augenblicklichen Bedürfnissen ent¬ 
spricht“. (P. V. 235.). 
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