Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs (Inaugural-Dissertation) [Reprint der Ausgabe Berlin 1908]
Person:
Musil, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39540/98/
98 
Sinn hätte. Und endlich ordnet sich nun erst auch jener 
erste Einwand gegen die Kausalität, die Natur sei nur ein¬ 
mal da, Wiederholungen gleicher Fälle kenne sie nicht, in 
das Uebrige ein, den wir im vorigen Abschnitt unerörtert 
ließen, weil wir erkannten, daß sich sein Sinn nicht nur 
gegen die Kausalität richtet, sondern schlechtweg alles 
Naturgesetzliche und Naturnotwendige untergräbt.1) Wir 
sehen also tatsächlich, daß sich das Ganze auf die dritte 
der von uns zur Erwägung gestellten Interpretationen zu- 
spizt. Diese ist daher nicht nur notwendig um gewisse 
Aeusserungen nicht als Uebertreibungen erscheinen zu 
lassen, wie wir dies vordem zeigten, sondern auch um das 
ganze Gefüge der Machschen Gedanken nicht in belang¬ 
lose und, wie man dann wohl sagen dürfte, unvorsichtige 
Aeußerungen zerfallen zu lassen. Umgekehrt werden wir 
nun aber auch mit Recht alles darauf ankommen lassen 
dürfen, ob sie die Probe besteht oder nicht. 
Nun gibt es doch aber offenbar in der Natur wenig¬ 
stens den Anschein von Notwendigkeit und Gesetz, nämlich 
unverbrüchliche Regelmäßigkeiten; sie sind das, aus dem 
man das Vorhandensein einer Naturgesetzlichkeit ableitet, 
auch dann wenn man über diese außer der Wahrscheinlich¬ 
keit ihres Daseins nichts aussagen zu können glaubt. Wie 
Mach sich dazu verhält, ist daher von größter Bedeutung. 
Er sagt: „Unsere Naturwissenschaft besteht in dem 
begrifflichen quantitativen Ausdruck der Tatsachen”.2) 
Es ist aber ,jeder naturwissenschaftliche Satz ein A 1) - 
straktum, welches die Wiederholung gleichartiger 
Fälle zur Voraussetzung hat”,3) denn „wenn wir die 
Tatsachen in Gedanken nachbilden, so bilden wir niemals 
die Tatsachen überhaupt nach, sondern nur nach jener 
1) Vgl. Machs eigene Worte: „Unsere Naturwissenschaft be¬ 
steht in dem begrifflichen quantitativen Ausdruck der Tatsachen. Die 
Nachbildungsanweisungen sind die Naturgesetze. In der Ueberzeu- 
gung, daß solche Nachbildungsanweisungen überhaupt möglich sind, 
liegt das Kausalgesetz“. M. 547. 
2) M. 547. 
3) M. 549. 
108
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.