Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs (Inaugural-Dissertation) [Reprint der Ausgabe Berlin 1908]
Person:
Musil, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39540/82/
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sei iisw., so könne man nicht zugleich davon abselien, 
müsse man mit Notwendigkeit erwarten u. dgl.1) Weniger 
klar ist es, was Mach eigentlich zu dieser Einschränkung 
und zu dieser Verwechslung bewegt und welchen Sinn er 
selbst damit verbindet. 
Wir betrachten daher zunächst einen ergänzenden 
Gedankengang, dessen Kern etwa folgender ist: „Er¬ 
klären heißt Zurückführen komplizierter Tatsachen auf 
möglichst wenige und einfache. Diese einfachsten Tat¬ 
sachen sind an sich immer unverständlich, d. li. nicht 
weiter zerlegbar, z. B. die, daß eine Masse einer anderen 
eine Acceleration erteilt. Es ist nun nur eine ökonomische 
Frage und eine Frage des Geschmacks, bei welchen Unver¬ 
ständlichkeiten man stehen bleiben will. Man täuscht sich 
gewöhnlich darin, daß man meint, Unverständliches auf 
Verständliches zurückzuführen. Allein das Verstehen be¬ 
stellt eben im Zerlegen. Man führt ungewöhnliche Unver¬ 
ständlichkeiten auf gewöhnliche Unverständlichkeiten 
zurück. Man gelangt schließlich immer zu Sätzen von der 
Form, wenn A ist, ist B, also Sätzen, die aus der An- 
schaung folgen müssen, die also nicht weiter verständlich 
sind,“2) Das heißt also, eine Erklärung, ein Verstehen, ist 
nichts als ein Zurückführen auf Bekanntes, ein Zerlegen 
1) Man vgl. „Was wir Ursache und Wirkung neunen, sind her - 
forstechende Merkmale einer Erfahrung, die für unsere Gedanken- 
nachbiluung wichtig sind. Ihre Bedeutung blaßt ab und geht auf 
andere neue Merkmale über, sobald eine Erfahrung geläufig wird. 
Tritt uns die Verbindung solcher Merkmale mit dem Eindruck der 
Notwendigkeit entgegen, so liegt dies nur daran, daß uns die Ein¬ 
schaltung längst gekannter Zwischenglieder, die also eine höhere 
Autorität für uns haben, oft gelungen ist“. (P. V. 227/228.) 
Ist uns eine Tatsache geläufig geworden, so bedürfen wir die¬ 
ser Heraushebung der zusammenhängenden Merkmale nicht mehr, 
wir machen uns nicht mehr auf das Neue, Auffallende aufmerksam, 
wir sprechen nicht mehr von Ursache und Wirkung. Die Wärme ist 
die Ursache der Spannkraft des Dampfes. Ist uns das Verhältnis ge¬ 
läufig geworden, so stellen wir uns den Dampf gleich mit der zu 
seiner Temperatur gehörigen Spannkraft vor. Die Säure ist die Ur¬ 
sache der Rötung der Lackmustinktur. Später aber gehört diese 
Rötung unter die Eigenschaften der Säure“. (M. 524.) 
2) E. d. A. 31/32. 
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