Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs (Inaugural-Dissertation) [Reprint der Ausgabe Berlin 1908]
Person:
Musil, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39540/71/
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elektrischen Potentialdifferenz innerhalb dieser Stoffe. 
Wenn wir ein physikalisches Gesetz aut* einen bestimmten 
Stoff beziehen, so bedeutet dies, daß das Gesetz für einen 
Raum gelten soll, in welchem noch die bekannten Re¬ 
aktionen dieses Stoffes nachweisbar sind. Diese ergänzen¬ 
den Bestimmungen werden gewöhnlich durch den bloßen 
Namen des Stoffes gedeckt und verdeckt. Die physi¬ 
kalischen Gesetze, welche für den leeren Raum gelten, be¬ 
ziehen sich eben auch nur auf bestimmte Werte der 
elektrischen und magnetischen Konstanten usw. ; durch 
Anwendung eines Satzes auf einen Stoff führen wir weitere 
Bestimmungen (Bedingungsgleichungen) ein, gerade so, 
als wenn wir von einem geometrischen Satz sagen, daß 
derselbe für ein Dreieck, für ein Parallelogramm oder für 
einen Rhombus gilt.“1) 
Sodann — in gleichfalls schon erörtertem Sinne — 
für die Kräfte. „Es liegt im Sinne der Galilei-Newton- 
Reaktionen aufgenommen, welche zur Bestimmung des Begriffes hin¬ 
reichen; andere Reaktionen, von denen es schon bekannt ist, daß sie 
an die in der Definition enthaltenen unabänderlich gebunden sind, 
braucht man nicht besonders anzuführen (E. u. J. 127). Charak¬ 
teristisch für den Begriff ist dann das Ergebnis der durch die Defi¬ 
nition vorgezeichneten prüfenden oder konstruktiven, manuellen oder 
intellektuellen Reaktionen; so ist es elektrisch ein Körper, der auf be¬ 
stimmte Reaktionen bestimmte sinnliche Merkmale zeigt, Kupfer ein 
Körper, dessen blaugrüne Lösung in verdünnter Schwefelsäure 
bei bestimmter, Behandlung ein bestimmtes Verhalten zeigt, usw. 
(W. L. 419—421.) Nur allmählig und nacheinander können aber diese 
Reaktionen und die oft komplizierten Tätigkeiten, durch welche sie 
hervorgerufen werden, hervortreten. „Ob ein mechanisches System 
einen Gleichgewichts- oder Bewegungsfall vorstellt, kann nur durch 
eine komplizierte Tätigkeit entschieden werden. Wer aber das Be¬ 
wußtsein hat, daß er die genannte Prüfung jederzeit korrekt aus¬ 
führen kann, der weiß, daß der Gleichgewichtsfall mit der Summe 
Null (der virtuellen Arbeit), der dynamische Fall mit einer positiven 
Summe auf diese Prüfung reagiert, der besitzt den Begriff Arbeit und 
kann durch denselben den statischen vom dynamischen Fall unter¬ 
scheiden. So läßt sich jeder physikalische oder chemische Begriff 
darlegen. Das Objekt entspricht dem Begriff, wenn es auf Aus¬ 
führung einer Prüfung die erwartete Reaktion gibt. Die Prüfung 
kann je nach den Umständen im bloßen Beschauen oder in einer ver¬ 
wickelten physichen oder technischen Operation, die hierauf er¬ 
folgende Reaktion in einer einfachen Sinnesempfindung oder in einem 
komplizierten Vorgang bestehen.“ (E. u. J. 131/132.) 
1) E. u. J. 445. 
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