Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs (Inaugural-Dissertation) [Reprint der Ausgabe Berlin 1908]
Person:
Musil, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39540/40/
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„Welche Erleichterung muß es gewähren, wenn man ein¬ 
fach sagen kann, eine in Betracht gezogene Tatsache A 
verhalte sich in vielen oder allen Stücken wie eine bereits 
bekannte Tatsache B. Statt eines einzelnen Zuges von 
Aehnlichkeit tritt uns ein ganzes System von Zügen, eine 
wohlbekannte Physiognomie entgegen, durch welche die 
neue Tatsache uns plötzlich zu einer wohl vertrauten wird. 
Ja die Idee kann mehr bieten, als wir in der neuen Tat¬ 
sache augenblicklich noch sehen, sie kann dieselbe erwei¬ 
tern und bereichern mit Zügen, welche erst zu suchen wir 
veranlaßt werden und die sich oft wirklich finden. Diese 
Rapidität der Wissenserweiterung ist es, welche der Theo¬ 
rie einen quantitativen Vorzug vor der einfachen Beob¬ 
achtung gibt“.1) Andererseits liegt aber gerade darin, 
daß zwei Gruppen von Tatsachen als im Wesen identisch 
ausgesprochen werden, während sie nachweislich nur in 
Analogie stehen, auch eine Gefahr. So heißt es bei 
Mach: „Außer den Elementen, welche zur Darstellung der 
Tatsache, aus der eine Hypothese geschöpft ist, unerlä߬ 
lich sind, enthält dieselbe immer oder doch gewöhnlich 
noch andere, die zu dieser Darstellung nicht notwendig 
sind. Denn die Hypothese wird nach einer Analogie ge¬ 
bildet, deren Aehnlichkeits- und Differenzpunkte unvoll¬ 
ständig bekant sind, da ja sonst nichts mehr daran zu er¬ 
forschen wäre. Die Lichtlehre spricht z. B. von Wellen, 
während nur die Periodizität zum Verständnis der Tat¬ 
sachen notwendig ist. Diese über die Notwendigkeit hin¬ 
ausgehenden accessorischen Elemente sind es, welche in 
der Wechselwirkung von Denken und Erfahrung von der 
1) P. V. 267 ff. Neben diesem heuristischen Werte hat die 
Hypothese, wie oben erwähnt, auch den Vorzug der Einheitlichkeit 
in der Darstellung. „Darin, daß diese Vorstellung alle nach und nach 
durch mühsame Beobachtung gefundenen Tatsachen anschaulich und 
wie von selbst reproduziert, liegt ihr Vorteil und ihr wissenschaft¬ 
licher Wert“, heißt es P. V. 141. Vgl. zu beiden Funktionen auch: 
P. V. 138; E. u. J. 223 ff., 229—247; W. L. 123, 318. Speziell mecha¬ 
nische Bilderhypothesen bieten den Vorteil, daß sie sehr geläufige 
und theoretisch bereits gut durchgearbeitete Vorstellungen heran¬ 
ziehen. P. V. 187, 203; M. 552; W. L. 316 f.
        

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