Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs (Inaugural-Dissertation) [Reprint der Ausgabe Berlin 1908]
Person:
Musil, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39540/30/
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Was dann noch von jener zweiten über die bloße 
Kontinuität hinausgelienden Rolle der Oekonomie bleibt, 
ist vollends nichts Spezifisches von gewöhnlichen Auf¬ 
fassungen Unterscheidendes. Die Anpassung der Ge¬ 
danken an die Tatsachen braucht nicht nur in einer 
Weise zu erfolgen, verschiedene Menschen führen sie ver¬ 
schieden aus. Aber „wir werden diese verschiedenen 
wissenschaftlichen Versuche miteinander vergleichen 
können und den einen ökonomischer finden als den an¬ 
deren. Die Oekonomie wird uns dabei einen wertvollen 
orientierenden Gesichtspunkt bieten, nach dem wir unser 
wissenschaftliches Tun einrichten.1) So liefert die 
Gaußsche Dioptrik ein Beispiel von Oekonomie gegen¬ 
über der bloßen wiederholten Anwendung des Sinus¬ 
satzes.2 3) Erst die vollständigste einfachste Beschreibung 
nennt Mach in diesem Sinne ökonomisch, das ist der Zu¬ 
stand, wenn es gelungen ist. die geringste Zahl einfacher 
unabhängiger Urteile zu finden, aus welchen sich alle 
übrigen als logische Folge ergeben.2') Denn es gilt nicht 
nur, wie er sagt, daß jedes Erkennen des noch Unbe¬ 
kannten und Neuen als Kombination des Altbekannten, 
jede Enthüllung des scheinbar Verschiedenartigen als 
eines Gleichartigen, als eine angenehme Entlastung 
empfunden wird“4), sondern auch jede Verminderung 
der zureichenden Zahl der leitenden Gedanken, jede orga¬ 
nische Ordnung der letzteren nach dem Prinzip der Per¬ 
manenz .und zureichenden Differenzierung“4), so daß das 
Oekonomisieren, Harmonisieren, Organisieren der Ge¬ 
danken, welches wir als ein biologisches Bedürfnis fühlen, 
weit über die Forderung der logischen Widerspruçhslosig- 
keit hinausgeht“4), und andererseits bedeutet jede ver¬ 
meintliche Inkongruenz, jede Unvollständigkeit, jede 
1) W. L. 393/394. 
2) W. L. 394, M. 530. 
3) E. u. J. 176. 
4) E. u. J. 174; vgl. W. L. 391. 
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