Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs (Inaugural-Dissertation) [Reprint der Ausgabe Berlin 1908]
Person:
Musil, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39540/29/
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als daß in den induktiven Wissenschaften die Erkenntnis 
gewissermaßen von unten herauf erarbeitet werden muß, 
daß, was heute als wahr gilt, morgen als ein Irrtum ein- 
« 
gesehen werden kann, daß die Induktion der Erkenntnis 
sozusagen nur asymptotisch zustrebt ; aber dies ist eine all- 
gemein zugestandene Tatsache und hängt durchaus nicht 
spezifisch mit der biogenetischen Betrachtung zusammen. 
Nun bemüht sich die gewöhnliche Induktionstheorie des 
weiteren, festzustellen, was wenigstens augenblicklich 
als zureichend zu gelten hat. Aber auch hierin stimmen 
die Konsequenzen der Machschen Anpassungsprinzipien 
mit ihr überein. Denn nach Mach ist eine Anpassung 
doch nur dann zureichend, wenn sie gestattet, die Tatsache 
nachzubilden und vorzubilden, d. h. wenn zwischen den 
Intentionen des Denkens und den Tatsachen, auf die sie 
sich beziehen, Widerspruchslosigkeit herrscht. Nichts 
anderes als solche Uebereinstimmung verlangt aber auch 
die gewöhnliche Anschauung. Und ebenso könnte die — 
als ideale Grenze zu betrachtende — schlechthin zu¬ 
reichende Anpassung nur die sein, welche überhaupt nie 
auf Widersprüche führt, welche allen in ihren Bereich 
fallenden bekannten und neu entdeckten Tatsachen ent¬ 
spricht, — das ist aber wiederum nichts anderes als was 
man in der gewöhnlichen Terminologie eine Wahrheit 
oder eine Erkenntnis nennt. Und nur eine solche An¬ 
passung ist auch schlechtweg ökonomisch, denn jede an¬ 
dere muß vor gewissen Fällen versagen, unzureichend 
.sein, das Denken irre leiten, also unökonomisch werden. 
Dabei ist dann das Kriterium der Oekonomie überdies erst 
das sekundäre, denn erst muß man wissen, ob eine An¬ 
nahme mit der gesamten Erfahrung übereinstimmt, d. h. 
aber nichts anderes, als wissen, ob sie wahr ist, und dann 
erst kann man sagen, daß sie auch vorbehaltlos ökono¬ 
misch ist. Damit ist aber alle gegensätzliche Bedeutung 
gegenüber der gewöhnlichen Induktionstheorie aufge¬ 
geben. 
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