Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs (Inaugural-Dissertation) [Reprint der Ausgabe Berlin 1908]
Person:
Musil, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39540/28/
28 — 
nistheorie, so zeigt er wiederholt, durchaus keinem er¬ 
kenntnistheoretischen Nihilismus das Wort reden. „Alle 
wertvollen Gesichtspunkte der Einzelwissenschaften 
bleiben erhalten“, heißt es ausdrücklich an einer Stelle,1) 
und wo immer man eine seiner eigenen fachwissenschaft¬ 
lichen Arbeiten auf schlägt, überall zeigt er sich selbst um 
jene feste eindeutige Bestimmtheit bemüht, die durch 
alles mögliche hinreichend verbürgt werden kann, nur 
nicht durch die bloße Kontinuität, denn kontinuierlich 
entwickeln sich, wie er selbst zugibt, Erkenntnis wie Irr¬ 
tum.2 3) Und während zugestandenermaßen diese Kon¬ 
tinuität keine eindeutig bestimmende Forderung ist, ver¬ 
langt Mach von der Wissenschaft ausdrücklich gerade 
Eindeutigkeit2’), und an einer Stelle wird diese Eindeutig¬ 
keit geradezu als Ziel der kontinuierlichen Anpassung be¬ 
zeichnet.4) • 
Beachtet man dies, so findet man nun allerdings eine 
dementsprechende Einschränkung in das Prinzip der 
Kontinuität durch die Forderung der „zureichenden“ 
Differenzierung aufgenommen. Sie ist jetzt das eigentlich 
bestimmende Moment, eine Anpassung, die nicht zu¬ 
reichend ist, ist keine Anpassung, und dadurch erscheint 
zwischen Machs Ansichten die Einstimmigkeit wieder 
hergestellt. Aber was bedeutet die Betonung dieses „zu¬ 
reichend“'? Sie kann sagen wollen, wie wir es ja auch 
gehört haben, daß die Anpassung niemals genauer erfolgt 
als gerade notwendig ist, das heißt aber nichts anderes 
1) A. d. E. 285. 
2) So bieten gerade die von Mach bekämpften Bilderliypothesen 
der mechanischen Physik Beispiele von der Kontinuität entsprechen¬ 
der Gedankenübertragung, vgl. P. V. 187, 203, M. 562, W. L. 316, f. 
(an einer Stelle M. 532 wird dem allerdings auch widersprochen, in¬ 
dem die Atomistik als ein Verstoß gegen die Forderung der Kon¬ 
tinuität bezeichnet wird, doch zeigt dies nur, die innere Unsicherheit 
dieses Prinzips). Und auch sonst erweist sich manchmal die Perma¬ 
nenz gewohnter Vorstellungen dem wissenschaftlichen Fortschritt 
hinderlich; vgl. P. V. 167, 257, 269, 271. W. L. 21, 36/37. 
3) Vgl. W. L. 452/453, E. u. J. 446, 449/450. 
4) A. d. E. 48. 
38
        

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