Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs (Inaugural-Dissertation) [Reprint der Ausgabe Berlin 1908]
Person:
Musil, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39540/123/
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schließen läßt, liegt «Iso in den Tatsachen. Und sie wird 
natürlich nicht durch eine Idealisierung aus diesen weg¬ 
geschafft, ja wenn man, was hier nicht geschehen kann, 
den Induktionsvorgang genau analysiert, sieht man, daß 
sie sogar jedem Schritte dieser Idealisierung zugrunde¬ 
liegt; die Idealisierung ist in den Tatsachen motiviert. Da¬ 
her ist es aber auch irrtümlich, zu sagen, die Notwendig¬ 
keit werde erst durch die Idealisierung in die Tatsachen 
hineingetragen. Denn die Notwendigkeit, von der man das 
sagen könnte, diese nur zwischen den idealisierten Be¬ 
griffen bestehende, die Mach daher eine bloß logische 
nennt, diese hypothetische, mit den unerfüllbaren Vorder¬ 
sätzen: wenn es ein vollkommenes Gas gibt, eine reibungs¬ 
lose Flüssigkeit u. dgl. — die setzt freilich vorerst eine 
Idealisierung voraus, die ist aber auch nicht die eigentliche 
Notwendigkeit, ja sie ist überhaupt nur Notwendigkeit, 
wenn es zuerst jene andere gibt, die in den Tatsachen liegt, 
selbst wenn wir mit unseren Mitteln an deren wahre Struk¬ 
tur nie ganz herankommen sollten. 
Woher immer die Leugnung der Naturnotwendigkeit 
aber gekomen sein möge, wird sie, wie wir hier als zweite 
Möglichkeit annahmen, von Mach fallen gelassen, so ver¬ 
lieren wieder alle früher dargestellten Anschauungen die 
Berechtigung ihres spezifischen Charakters; das Gesetz ist 
dann nicht bloß eine Tabelle, die rechnerische Abhängig¬ 
keit kann gegen die sie fundierende reale zurücktreten, die 
ökonomische Erfahrung gegen die Erforschung, der theo¬ 
retische Zusammenhang kann mehr sein als eine bloße 
Ordnungsbeziehung, auf Grund der voneinander verschie¬ 
denen Typen physikalischer und psychologischer Gesetze 
treten Empfindung und Gesetz wieder auseinander, mit 
dieser Abtrennung von Dingen, die untereinander in gesetz¬ 
licher Abhängigkeit stehen, ist wieder eine Möglichkeit für 
die Kausalität geschaffen usw. und Machs darauf bezüg¬ 
liche Ausführungen wären mißverständlich und irre¬ 
führend. 
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