Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs (Inaugural-Dissertation) [Reprint der Ausgabe Berlin 1908]
Person:
Musil, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39540/103/
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genügt ihnen nur so weit als er sieli dem idealen nähert“.1) 
Mit anderen Worten: „die logischen Deduktionen aus 
unseren Begriffen bleiben aufrecht, solange wir diese Be¬ 
griffe festlialten“,2) aber „die Tatsachen sind nicht ge¬ 
nötigt, sich nach unseren Gedanken zn richten“;3) es 
richten sich bloß „unsere Gedanken, unsere Erwartungen 
nach anderen Gedanken, nach den Begriffen nämlich, 
welche wir uns von den Tatsachen gebildet haben. Nehmen 
wir an, daß eine Tatsache genau unseren einfachen, 
idealen Begriffen entspricht so wird in Uebereinstimmung 
hiermit unsere Erwartung auch genau bestimmt sein. Ein 
naturwissenschaftlicher Satz hat immer nur den hypothe¬ 
tischen Sinn: Wenn die Tatsache A genau den Begriffen 
M entspricht, so entspricht die Folge B genau den Begriffen 
X, so genau als A den M, so genau entspricht B den N. Die 
absolute Exaktheit, die vollkommen genaue, eindeutige 
Bestimmung der Folgen einer Voraussetzung besteht in der 
Naturwissenschaft nicht in der sinnlichen Wirklichkeit, 
sondern nur in der Theorie”.4) 
Dies sind die Ausführungen, auf denen die Leugnung 
der Naturnotwendigkeit ruht und auf die sich alles Febrige 
1) M. 33. Der Vergleich mit der Geometrie führt auch sonst 
zu charakteristischen Aeußerungen. Vgl. E. u. J. 376: ..Die phy¬ 
sikalisch - metrischen Erfahrungen werden wie alle Erfahrungen, 
welche die Grundlage einer experimentellen Wissenschaft bilden, be¬ 
grifflich idealisiert. Das Bedürfnis, die Tatsachen durch einfache, 
durchsichtige, logisch leicht zu beherrschende Begriffe darzustellen, 
führt hierzu. Es gibt einen absolut starren, räumlich ganz unver¬ 
änderlichen Körper, eine vollkommene Gerade, eine absolute Ebene 
so wenig, als es ein vollkommenes Gas, eine volkommene Flüssigkeit 
gibt. Dennoch operieren wir lieber und leichter mit diesen Begrif¬ 
fen als mit anderen, welche genauer den Eigenschaften der Objekte 
entsprechen und nehmen dafür nachträglich auf Abweichungen Rück¬ 
sicht. Die theoretische Geometrie braucht diese Abweichungen über¬ 
haupt nicht zu beachten, indem sie eben Objekte voraussetzt, welche 
die Bedingungen der Theorie vollkommen erfüllen, wie die theo¬ 
retische Physik. 
E. u. J. 407: „Die geometrische Theorie ist wie jene der Physik 
einfacher und genauer, als dies durch die Erfahrung mit ihren zu¬ 
fälligen Störungen eigentlich verbürgt werden kann“. 
2) E. u. J. 140. 
3) . Vgl. A. d. E. 260. 
4) E. u. J. 447/448. Vgl. E. u. J. 302/303. 
II3
        

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