Bauhaus-Universität Weimar

Die Sprache. 
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von einer Art habituell gewordenen, meist unsagbaren Ver¬ 
schiebung der Elemente jener Sprachorganverkettung bedingt 
ist, bei welcher Abstammung, Boden, Klima, Gewohnheit, 
Lebensweise und Nahrungsbeschaffenheit als formbestimmend 
für Zähne, Zunge und Mundhöhle mit in Betracht kommen. 
Das Selbstbewusstsein würde sich nicht entwickeln 
können, wofern nicht Hand und Kopf unablässig einander 
entgegenkämen, d. h. wenn nicht die Technik dem Sprach- 
bedürfniss Anregung und Stoff lieferte und die Sprache 
dem Gestaltungsbedürf'niss das Bewusstsein über seine 
Leistungen und deren Vervollkommnung vermittelte. 
Unsere bisherige Untersuchung, dem Zug der Cultur- 
geschichte im grossen folgend, lief auf die Beweisführung 
hinaus, dass die Organprojection, die in Form einer vom 
Menschen selbst geschaffenen Aussenwelt vor sich geht, 
die Entfaltung des Selbstbewusstseins bedingt. 
Wenn nun derselbe Gang in der Entwickelung der 
Sprache sich kundgiebt, so unterscheidet sich diese von 
allen anderen Gestaltungen der Organprojection doch 
wesentlich dadurch, dass sie frei von den Hemmungen ist, 
welche der Widerstand des festen Materials dem Gestal¬ 
tung sbedürfniss verursacht. In dem gefügigsten und einem 
gewissermaassen geisthaften Elemente sich bewegend, lässt 
sie das Werkzeug und die es formende organische Thätig- 
keit in einheitlichem Verband erscheinen. Hiervon kann 
man, ohne gerade paradox zu sein, sagen, das Denken sei 
eben so wohl Werkzeug der Sprache, wie diese das Werk¬ 
zeug des Denkens. 
Wollen wir demgemäss das Verhältniss der Sprache zu 
dem ganzen übrigen Culturinhalt bestimmen, so dürfen 
wir in Anlehnung an das Wort von W. Wundt, „dass die 
Seele das innere Sein der nämlichen Einheit ist, die wir 
KAPP, Phil. d. Technik. 19 
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