Bauhaus-Universität Weimar

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Der anthropologische Maassstab. 
Gesellschaft zu nennen pflegt. Der eigentliche Sinn ist 
also die Mitte, insofern sie als das Höchste und Hervor¬ 
ragendste, als das alles Andere Bestimmende, als anziehen¬ 
der Kern und als geistiger Schwerpunkt angesehen wird. 
Daher begreift der anthropocentrische Standpunkt den 
Menschen als die Spitze der gesammten Entwickelungsreihe 
der organischen Bildungen auf der Erde, und dann über¬ 
haupt als die Krone der Schöpfung. Sobald jedoch der 
Erdball nicht im nächsten Sinne als Planet, sondern seiner 
weiteren Bestimmung nach als Träger des menschlichen Gei¬ 
stes betrachtet wird und sobald der Geist in seiner Einheit, 
sowohl als einzelner mit dem Leibe, wie als Menschheit mit 
ihrem planetarischen Wohnhause erscheint, dann entzieht 
sich die oben berührte Verschiedenheit in der Auffassung 
des Begriffes des Centralen jeder schärferen Contrôle. Deut¬ 
lich übrigens ist, wie nahe der anthropocentrische Stand¬ 
punkt demjenigen verwandt ist, welcher den Menschen als 
Ziel und Zweck der planetarischen Entwickelung betrachtet. 
Gegen diese, die »sogenannte teleologische Weltan¬ 
schauung hat sich der beständige Gegner derselben, der 
von Darwin mit neuer Rüstung bewehrte Materialismus, 
in verstärkter Macht erhoben. 
Welche Gestalt diese neue Phase des uralten Zwie¬ 
spaltes auch annehmen möge, — darin sind beide Rich¬ 
tungen einverstanden, dass dermalen der Mensch die Höhe 
und Spitze der organischen Bildungen ist. 
Abgesehen von dem gegensätzlichen Unterschied der 
Wege, auf welchen beide das Ziel erreicht werden lassen, 
hier Mechanismus und zufälliges Entstehen in causaler Folge, 
dort Geist und planvolle Schöpfung, gehen sie auch darin 
auseinander, dass jene Richtung den Menschen nicht für 
alle Zeit als Spitze gelten lassen will, sondern dass sie
        

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