Bauhaus-Universität Weimar

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Das morphologische Grundgesetz. 
der Ausbauschungen zu dem der Einbiegungen, die Gliederung 
des einen Abschnitts zu der eines anderen in Missverhältnis 
zu stehen scheint.“ 
„So leuchtet ohne Weiteres ein, wie wichtig auch für diese 
das Bedürfnis mit der Schönheit versöhnenden Künste es ist, 
sich auf die Erkenntniss eines zuverlässigen Proportionalgesetzes 
stützen zu können, und wie eng also eine gesohmackvolle und 
wohlgefällige Gestaltung unseres Lebens mit einer weiteren 
Ausbeutung dieser Erkenntniss auch für diese Art von Pro- 
ductionen zusammenhängt.“ (S. 410. 411.) 
Ohne Zweifel hat Fechner die angeführte Stelle in seiner 
Abhandlung „Zur experimentalen Aesthetik“ im Auge gehabt, 
wenn er seine Zustimmung dahin ausspricht, es werde von an 
sich wohlgefälligen Dimensions- und Abtheilungsverhältnissen 
„um so mehr ein Vortheil bei Gegenständen zu erwarten sein, 
die keine höhere Bedeutung überhaupt beanspruchen, die man 
aber doch auch wohlgefällig herzustellen wünscht, als nament¬ 
lich den Werken der sogenannten Tektonik, d. i. Kunst der 
Gefässe, Geräthe, Möbel, Waffen, Kleider, Teppiche, Schmuck¬ 
sachen u. dergl. bis in die allerdings auch höherer ideellen 
Bezüge nicht ermangelnde Architektur hinein, endlich in der 
Ornamentik.“ (S. 7. 8.) 
Es kann selbstredend der Zeising'1 sehen Lehre durchaus 
nur zu statten kommen, wenn Fechner überdies in seinem neue¬ 
sten Werke „Vorschule der Aesthetik“ (S. 184 bis 203) sich 
umständlicher über den Gegenstand in der Art auslässt, dass 
das von Wittstein beigebrachte Material einen bestätigenden 
Zuwachs erhält. 
Auf den etwaigen Einwurf, dass es eine Menge Hand- 
gerätlie gebe, die aueb ohne sichtliche Uebereinstimmung mit 
dem Goldenen Schnitt immer brauchbar seien, lässt sich 
erwiedern einmal, dass sie überhaupt ohne alle und jede 
Anpassung an das sie führende Organ ganz unbrauchbar 
sein würden, sodann auch, dass ihre Brauchbarkeit mit 
dem Grade verhältnissgemässer Uebereinstimmung sich er¬ 
höht. Hat doch die Mehrzahl der Handwerkzeuge gerade
        

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