Bauhaus-Universität Weimar

Der anthropologische Maassstab. 
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men sich die Neueren der Voraussetzungslosigkeit ihres 
reinen Denkens, so haben sie doch die eine Voraussetzung, 
das Wesen der menschlichen Seele, und diese ist ihnen 
mit dem alten Meister gemeinsam, der gleichfalls keine 
andere Voraussetzung gelten lässt.“ 
Aehnlich äusserte später Leibniz, es werde eine Zeit 
kommen, wo der hohe Werth einer heiligeren Philosophie, 
von dem zu sich selbst zurückkehrenden Menschen, 
werde wieder erkannt werden ; wo die Naturforschung von 
neuem der Verherrlichung des Urhebers der Natur, der 
in der sichtbaren Welt uns das Abbild der ideellen zeigt, 
dienstbar sein werde. 
Mit den Fortschritten der auf die sichtbare Welt des 
leiblichen Organismus gerichteten Forschungen beginnt 
denn auch in der TGmfschen Philosophie eine physiolo¬ 
gische Grundlegung sich bemerkbar zu machen. Ja, Adolph 
Fick glaubt sich berechtigt, den iGm^schen Standpunkt 
in der Philosophie geradezu als physiologischen bezeichnen 
zu dürfen. 
Von da an sucht die Philosophie jedesmal, wenn sie 
sich in schwindelnde Höhe verstiegen, mit Hülfe des phy¬ 
siologischen Rettungsapparates den festen Grund und Boden 
wieder zu gewinnen. Dass aber auch auf diesem einzelne 
Strecken nicht frei von Gefahr und zwar, des Versinkens, 
sind, beweist die für Philosophie sich ausgebende Lehre 
von der alleinigen Wahrheit der sinnlichen Handgreiflichkeit. 
So war unter Anderen auch für Ludwig Feuerbach der 
Mensch derjenige Punkt, von dem alles Erkennen sowohl 
ausgeht, wie auf den es hinausläuft; aber nicht der Mensch 
überhaupt, sondern nur der leibliche Mensch. Denn das 
Princip in seiner Philosophie, „welche den Gedanken aus 
dem Stoffe, dem Wesen, den Sinnen, erzeugt, ist der Mensch,
        

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