Bauhaus-Universität Weimar

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Das morphologische Grundgesetz. 
rechnen, eine Entdeckung, auf die wir um so mehr näher 
einzugehen haben, als sie auf eins der Grundgesetze der 
organischen Kinese ein helles Licht wirft. 
Im verflossenen Frühjahr haben öffentliche Blätter die 
Nachricht von dem am 27. April erfolgten Tode des Professors 
Dr. Adolf Zeising in München gebracht. Den Kreisen der 
Künstler und Gelehrten war der Verstorbene rühmlichst be¬ 
kannt durch sein Werk über den Goldenen Schnitt. 
Dem grösseren Publicum ist das Buch im ganzen ziemlich 
fremd geblieben, da es zu einer Zeit veröffentlicht wurde, wo 
die Naturwissenschaft mit den grossartigsten, unmittelbar in 
das volle Leben eingreifenden Forschungen und Entdeckungen 
beschäftigt war. Ueber die sie ganz in Anspruch nehmenden 
nächsten Ziele hinaus durfte sie sich nicht gemüssigt sehen, auch 
solchen Bestrebungen Aufmerksamkeit zuzuwenden, die nach dem 
ersten Anschein mehr idealistischer Richtung waren. Und was 
damals nicht von der Naturforschung als eine hervorragende 
Leistung signalisirt wurde, blieb vorläufig im Hintergrund und 
hatte eben seine Zeit abziwarten. 
Diese Wartezeit ist nunmehr vorüber. Abgesehen von 
den ersten vereinzelten Beifallszeichen seitens der Naturfor¬ 
schung gleich nach Zeising s erstem Auftreten, ist es von ent¬ 
schiedener Bedeutung, dass seit dem Beginn des gegenwärtigen 
Jahrzehntes gerade die beiden Namen, von denen der eine als 
Begründer der physiologischen Psychologie, der andere als ihr 
Fortsetzer hoch hervorragt, G. Th, Fechner und W. Wundt, 
sich innerhalb bestimmter Grenzen für die Lehre Zeising' s gün¬ 
stig ausgesprochen haben. Auch kam ihr gleichzeitig von 
anderen Seiten her erneute Zustimmung entgegen, besonders 
seit die Speculation sich mit der Empirie ins Einvernehmen zu 
setzen bemüht war. Und so ist es denn auch die Philosophie, 
welche das Proportionsgesetz des Goldenen Schnittes princi- 
piell für alle Richtungen der organischen Lebendigkeit aufrecht 
erhält. 
Unter dem Schutz „philosophischer Evidenz“ erscheint das 
Zeising'sehe Gesetz als der Höhenpunkt, in welchem 0. Caspari's 
neuestes Werk gipfelt. Wie man bisher mehr dunkel geahnt,
        

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