Bauhaus-Universität Weimar

Die Maschinentechnik. 
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thümlichen Betrachtung Radeaux’s über das Wesen der 
Maschine dem Leser das eigene weitere Urtheil über ein 
so verfehmtes Buch an die Hand zu geben. Reuleaitx 
sagt: 
„So wie der alte Philosoph die stätige allmälige Ver¬ 
änderung der Dinge einem Fliessen verglich, und sie in 
den Spruch zusammendrängte: „„Alles fliesst““, so können 
wir die zahllosen Bewegungserscheinungen in dem wunder¬ 
baren Erzeugniss des Menschenverstandes, welches wir 
Maschine nennen, zusammenfassen in das eine Wort: 
„„Alles rollt““. 
„Für den praktischen Mechaniker, welcher sich mit 
der neueren Phoronomie vertraut gemacht hat, und mehr 
noch für den theoretischen, ist deshalb die Maschine auf 
besondere Art belebt durch die überall in ihr rollenden 
geometrischen Gebilde. Einzelne derselben treten leib¬ 
haftig hervor, wie an den Riemscheiben, den Reibungs¬ 
rädern, z. B. denjenigen der Eisenbahnen; andere, wie die 
der Zahnräder, sind leicht umschleiert von gitterartigen 
Hüllen; wiederum andere sind eng zusammengezogen auf 
das Innere massiger Körper, welche in ihrer Aussenform 
kaum etwas von jenen verrathen; noch andere endlich, wie 
die der aus Kurbeln und Gestängen gebildeten Mecha¬ 
nismen, sind ausgedehnte, die Körper weit umspannende, 
ja ihre Aeste ins Unendliche streckende äusserlich ganz 
unerkennbare Gebilde. Inmitten des oft sinnverwirrenden 
Geräusches ihrer körperlichen Vertreter vollziehen sie ihre 
geräuschlose Lebensfunction des Rollens. Sie sind gleichsam 
die Seele der Maschine, den körperlichen Bewegungsäusse¬ 
rungen derselben gebietend und sie in einem reinen Lichte 
wiederspiegelnd. Sie sind die geometrische Abstraction 
der Maschine, und verleihen dieser neben ihrer äusseren
        

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